Nach einer Kreativitätsphase liegen in Wertanalyse- und Entwicklungsprojekten häufig viele einzelne Ideen vor. Damit ist jedoch noch keine umsetzbare Lösung entstanden.
Eine Idee kann sich auf ein Bauteil beziehen, eine andere auf ein Fertigungsverfahren und eine weitere auf das grundsätzliche Wirkprinzip. Erst wenn passende Ideen sinnvoll kombiniert, konkretisiert und als Gesamtlösung betrachtet werden, entsteht ein tragfähiges Konzept.
Konzeptbildung verbindet deshalb die Ideenfindung mit der späteren Auswahl und Umsetzung einer Lösung.
Warum einzelne Ideen noch kein Konzept sind
Einzelideen lösen häufig nur einen Teil der Aufgabenstellung. Gleichzeitig können zwischen verschiedenen Ideen Abhängigkeiten bestehen.
Eine konstruktive Änderung kann beispielsweise nur funktionieren, wenn gleichzeitig ein anderes Fertigungsverfahren eingesetzt oder eine weitere Komponente angepasst wird.
Deshalb genügt es nicht, nur die vermeintlich besten Einzelideen auszuwählen. Entscheidend ist die Frage:
Welche Ideen lassen sich zu einer technisch stimmigen Gesamtlösung verbinden?
Lösungsbausteine strukturieren
Nach der Ideenfindung werden ähnliche Ansätze zusammengeführt, Abhängigkeiten betrachtet und konkurrierende Lösungsprinzipien voneinander getrennt.
Aus den einzelnen Ideen entstehen dadurch Lösungsbausteine.
Dabei wird beispielsweise geprüft:
- Welche Ideen ergänzen sich?
- Welche Ideen schließen sich gegenseitig aus?
- Welche technischen Abhängigkeiten bestehen?
- Welche Auswirkungen entstehen auf andere Bauteile oder Bereiche?
- Welche Kombinationen erfüllen die Anforderungen grundsätzlich?
Auf dieser Basis können mehrere unterschiedliche Konzeptvarianten entstehen.
Mehrere Konzepte statt einer frühen Lieblingslösung
In Projekten besteht die Gefahr, sich zu früh auf eine bevorzugte Lösung festzulegen.
Eine strukturierte Konzeptbildung versucht deshalb, zunächst mehrere sinnvoll unterschiedliche Gesamtlösungen zu entwickeln. Eine Variante kann beispielsweise stark auf der vorhandenen Produktarchitektur aufbauen, während eine andere ein grundsätzlich neues Wirkprinzip verwendet.
Der Zweck besteht nicht darin, möglichst viele Konzepte zu erzeugen. Es sollen ausreichend unterschiedliche und realistische Alternativen vorliegen, zwischen denen anschließend fundiert entschieden werden kann.
Konzepte ausreichend konkretisieren
Damit Konzeptvarianten miteinander verglichen werden können, müssen sie einen vergleichbaren Detaillierungsgrad besitzen.
Dazu gehören abhängig von der Aufgabenstellung beispielsweise:
- technisches Grundprinzip
- wesentliche Komponenten
- Funktionsweise
- erforderliche Änderungen
- erwartete technische Eigenschaften
- Risiken und Randbedingungen
- notwendige Investitionen oder Entwicklungsaufwände
Erst wenn die wesentlichen Merkmale einer Variante bekannt sind, ist eine belastbare Bewertung möglich.
Konzeptbildung und Bewertung gehören zusammen
Die Konzeptbildung endet nicht mit einer Sammlung von Varianten.
Im nächsten Schritt müssen die entwickelten Konzepte anhand geeigneter Kriterien miteinander verglichen werden. Dafür werden zunächst Bewertungskriterien festgelegt und gewichtet.
Eine Methode zur Gewichtung der Kriterien ist der gewichtete Dualvergleich. Anschließend können die ausgearbeiteten Lösungsalternativen beispielsweise mit einer Nutzwertanalyse systematisch bewertet werden.
Dadurch entsteht eine nachvollziehbare Verbindung:
- Ideen
- Lösungsbausteine
- Konzepte
- Bewertungskriterien
- Bewertung
- Auswahl einer Lösung
Konzeptbildung in Wertanalyse und Value Engineering
Im Wertanalyseprozess folgt die Konzeptbildung auf die Analyse und die kreative Lösungsentwicklung.
Kundenanforderungen, Funktionen, technische Informationen und Projektziele bilden dabei den Rahmen für die Lösungsentwicklung. Die daraus entstandenen Ideen werden zu ganzheitlichen Vorschlägen weiterentwickelt und anschließend bewertet.
Die Konzeptbildung sorgt somit dafür, dass nicht nur einzelne Verbesserungsmaßnahmen betrachtet werden, sondern das Produkt beziehungsweise die Lösung als Gesamtsystem.
Von der Idee zur entscheidungsfähigen Lösung
Eine gute Konzeptbildung schafft die Voraussetzung dafür, dass ein Projektteam nicht über lose Einzelideen entscheidet, sondern über nachvollziehbar ausgearbeitete Alternativen.
Der wesentliche Ablauf lautet:
- Ideen sammeln
- Ideen strukturieren
- Lösungsbausteine kombinieren
- Konzeptvarianten entwickeln
- Konzepte konkretisieren
- Varianten bewerten
- Lösung auswählen
Damit ist die Konzeptbildung ein entscheidender Übergang zwischen Kreativität und technischer Entscheidung.
Die Methode wird auch im Seminar Wertanalyse / Value Management Modul 1 vermittelt und anhand von Übungen praktisch angewendet.
