Technische Produkte erfüllen zahlreiche Funktionen.
Einige sind für den Kunden unmittelbar entscheidend. Andere sichern notwendige Randbedingungen. Wieder andere entstehen aus der gewählten technischen Lösung.
Für ein Wertanalyseprojekt ist deshalb wichtig zu klären:
Welche Funktionen sind für das Projekt besonders relevant?
Wenn jede Funktion mit derselben Intensität analysiert wird, steigt der Projektaufwand schnell stark an.
Relevanz aus Kundensicht
Ein wichtiger Maßstab ist die Bedeutung einer Funktion für den Kunden beziehungsweise für den Nutzer.
Dabei kann unterschieden werden zwischen Funktionen, die:
- zwingend erwartet werden
- kaufentscheidend sein können
- zusätzlichen Nutzen erzeugen
- für einzelne Kundengruppen relevant sind
- intern notwendig sind, aber vom Kunden kaum wahrgenommen werden
Diese Einordnung sollte nicht allein aus Sicht der Entwicklung erfolgen.
Kundenanforderungen, Marktinformationen, Produktmanagement und gegebenenfalls QFD liefern dafür wichtige Grundlagen.
Relevanz aus Kostensicht
Eine Funktion kann für den Kunden wichtig sein und dennoch wirtschaftlich effizient erfüllt werden.
Eine andere Funktion kann hohe Kosten verursachen, obwohl ihre Bedeutung begrenzt ist.
Deshalb sollte die Priorisierung auch die Kostenperspektive einbeziehen.
Die Funktionenkostenanalyse macht sichtbar, welcher Ressourcenaufwand mit den Funktionen verbunden ist.
Relevanz aus Potenzialsicht
Besonders interessant sind Funktionen, bei denen mehrere Hinweise zusammenkommen:
- hohe Funktionenkosten
- geringe oder unklare Kundenrelevanz
- technische Komplexität
- auffällige Wettbewerbsunterschiede
- viele beteiligte Bauteile
- historisch gewachsene Lösung
- neue Technologiealternativen
Solche Funktionen können geeignete Suchfelder für die weitere Projektarbeit bilden.
Funktionen-Potenzial-Analyse
Die Funktionen-Potenzial-Analyse kann helfen, diese unterschiedlichen Perspektiven zu einer strukturierten Priorisierung zusammenzuführen.
Ziel ist nicht, eine scheinbar objektive Rangliste zu erzeugen.
Ziel ist, dem Projektteam eine nachvollziehbare Grundlage zu geben:
Wo lohnt sich eine intensivere Suche nach alternativen Lösungen?
Priorisierung ist keine Entscheidung über das Weglassen
Eine niedrig priorisierte Funktion ist nicht automatisch unnötig.
Sie kann technisch, gesetzlich oder sicherheitsrelevant zwingend erforderlich sein.
Die Priorisierung dient deshalb zunächst dazu, den Bearbeitungsaufwand zu steuern und Suchfelder zu identifizieren.
Ob eine Funktion verändert, reduziert oder anders erfüllt werden kann, muss anschließend fachlich geprüft werden.
Weiterführende Inhalte
- Funktionenanalyse: Aufgaben statt Bauteile betrachten
- Funktionen richtig formulieren
- Funktionen-Potenzial-Analyse: Suchfelder priorisieren
- Funktionenkostenanalyse: Kosten den Funktionen zuordnen
- Kosten-Nutzen-Betrachtung und Wertindex
- QFD: Kundenanforderungen systematisch gewichten
- Overengineering erkennen
