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Produktkosten senken: Nicht jedes Bauteil muss nur billiger werden

Ihr Ansprechpartner: Dr.-Ing. Jörg Marchthaler

Wenn die Herstellkosten eines Produkts zu hoch sind, liegt der erste Impuls häufig nahe: günstigere Materialien, günstigere Lieferanten, weniger Bearbeitungsschritte oder preiswertere Bauteile.

Diese Maßnahmen können sinnvoll sein. Sie schöpfen das Potenzial eines Produkts jedoch nicht immer aus.

Denn die entscheidende Frage lautet nicht nur:

„Wie machen wir die vorhandene Lösung günstiger?“

sondern auch:

„Welche Funktionen muss das Produkt tatsächlich erfüllen – und wie lassen sich diese Funktionen mit einem wirtschaftlich sinnvollen Aufwand realisieren?“

Genau an dieser Stelle setzt die Wertanalyse beziehungsweise das Value Engineering an.

Typische Ausgangssituationen

Eine systematische Produktkostenoptimierung ist besonders relevant, wenn beispielsweise:

  • Kostenziele in einem Entwicklungsprojekt nicht erreicht werden,
  • ein bestehendes Produkt gegenüber dem Wettbewerb zu teuer ist,
  • der Deckungsbeitrag unter Druck steht,
  • Material- oder Fertigungskosten gestiegen sind,
  • viele Varianten und Sonderlösungen entstanden sind,
  • einzelne Kostensenkungsmaßnahmen bereits ausgeschöpft erscheinen,
  • Entwicklung, Einkauf und Produktion getrennt optimieren,
  • unklar ist, welche Produktmerkmale Kunden tatsächlich honorieren.

In diesen Situationen führt eine rein bauteilbezogene Optimierung häufig dazu, dass viele Einzelmaßnahmen gesammelt werden, ohne das Produkt als Gesamtsystem zu hinterfragen.

Kundenanforderungen zuerst verstehen

Bevor technische Lösungen verändert werden, sollte klar sein, was aus Sicht der relevanten Kundengruppen tatsächlich wichtig ist.

Dazu werden unter anderem kaufentscheidende Kriterien, Muss-Anforderungen, differenzierende Leistungsmerkmale und Wettbewerbspositionen betrachtet.

Das hilft, zwei Risiken zu vermeiden:

  • wichtige Kundenanforderungen aus Kostengründen unbeabsichtigt zu verschlechtern,
  • aufwendige Produktmerkmale beizubehalten, denen kein entsprechender Kundennutzen gegenübersteht.

Produktkostenoptimierung wird damit nicht zu einem pauschalen „Weglassen“, sondern zu einer gezielten Wertverbesserung.

Funktionen statt nur Bauteile betrachten

Im nächsten Schritt wird das Produkt funktional betrachtet.

Ein Bauteil ist eine konkrete technische Lösung. Entscheidend ist jedoch, welche Aufgaben es erfüllt. Die Funktionenanalyse abstrahiert deshalb zunächst von der vorhandenen Konstruktion und untersucht die Funktionen des Gesamtprodukts und seiner Bestandteile.

Dadurch entstehen neue Fragestellungen:

  • Muss diese Funktion in der heutigen Form erfüllt werden?
  • Kann sie einfacher erfüllt werden?
  • Können mehrere Bauteile zusammengeführt werden?
  • Gibt es alternative technische Prinzipien?
  • Ist die heutige Ausprägung für den Kunden notwendig?

Diese Perspektive öffnet den Lösungsraum über klassische Einkaufs- und Bauteiloptimierungen hinaus.

Verstehen, wofür die Kosten entstehen

Anschließend werden Kosten mit den Funktionen verbunden.

Die Funktionenkostenanalyse beantwortet nicht nur, welches Teil teuer ist, sondern welche Funktion hohe Kosten verursacht. Besonders interessant sind Funktionen, bei denen Kosten, technische Ausprägung und Kundenbedeutung nicht in einem sinnvollen Verhältnis stehen.

So können wirtschaftlich relevante Suchfelder priorisiert werden.

Interdisziplinär Lösungen entwickeln

Produktkosten entstehen nicht in einer einzigen Abteilung. Deshalb sollten relevante Fachbereiche gemeinsam an der Aufgabe arbeiten.

Je nach Projekt gehören beispielsweise dazu:

  • Entwicklung und Konstruktion
  • Einkauf
  • Produktion
  • Kalkulation und Controlling
  • Produktmanagement
  • Vertrieb
  • Qualität
  • Wertanalysekoordinator

Das gemeinsame Arbeiten verhindert, dass eine Abteilung Kosten reduziert und dadurch an anderer Stelle neue Kosten oder Risiken entstehen.

Von der Idee zum belastbaren Konzept

Eine erfolgreiche Kostenoptimierung endet nicht mit einer langen Ideenliste.

Ideen müssen technisch, wirtschaftlich und aus Kundensicht bewertet, zu Konzepten gebündelt und anschließend umgesetzt werden.

Deshalb umfasst ein strukturiertes Projekt typischerweise:

  1. Projektauftrag und Ziele klären
  2. Kundenanforderungen und Wettbewerb analysieren
  3. Funktionen untersuchen
  4. Funktionenkosten und Kostenschwerpunkte bestimmen
  5. Suchfelder priorisieren
  6. Lösungen entwickeln
  7. Ideen bewerten
  8. Konzepte und Business Cases ausarbeiten
  9. Umsetzung planen und verfolgen

Welche Rolle spielt Wertanalyse?

Wertanalyse ist keine reine Kostensenkungsmethode. Sie verbindet Funktionen, Kosten und Nutzen.

Das Ziel besteht darin, die benötigten Funktionen mit wirtschaftlich sinnvollem Aufwand zu erfüllen und gleichzeitig den Produktwert zu verbessern.

Gerade bei technisch anspruchsvollen Produkten hilft dieser Ansatz, Kostensenkung nicht gegen Qualität oder Kundennutzen auszuspielen.

Produktkostenoptimierung mit Value Coaching

Value Coaching begleitet Unternehmen bei Wertanalyse- und Value-Engineering-Projekten von der Auswahl geeigneter Projekte über Kunden-, Funktions- und Kostenanalyse bis zur Lösungsentwicklung, Bewertung und Umsetzung.

Auf der Website dokumentierte Referenzprojekte zeigen die Anwendung der Vorgehensweise in unterschiedlichen industriellen Kontexten. Die dort genannten Ergebnisse beziehen sich jeweils auf das konkrete Projekt und sind keine Zusage für andere Aufgabenstellungen.

Zwei Beispiele: Im Projektbeispiel motan wurden die Herstellkosten je nach Produktvariante um bis zu 39 % gesenkt. Im Projektbeispiel Dornbracht sanken die Kosten einer designorientierten Kopfbrause ohne optische Änderungen um mehr als 30 %.

Ist ein extern moderiertes Projekt sinnvoll?

Ein externer Moderator kann insbesondere dann hilfreich sein, wenn:

  • mehrere Fachbereiche beteiligt sind,
  • eingefahrene Lösungsansätze aufgebrochen werden sollen,
  • Zeit und Methodensicherheit intern fehlen,
  • Konflikte zwischen Kosten-, Technik- und Marktanforderungen moderiert werden müssen,
  • eine strukturierte Projektvorgehensweise aufgebaut werden soll.

Nächster Schritt

Wenn Sie prüfen möchten, ob ein Produkt für ein strukturiertes Kostenoptimierungsprojekt geeignet ist, kann zunächst eine Projekt-Potenzialanalyse sinnvoll sein. Dabei werden Potenzial, Datenlage, Zielsetzung und geeigneter Projektzuschnitt bewertet.

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