Unternehmen verfügen häufig über zahlreiche Produkte, Varianten oder Baugruppen mit Kostendruck. Gleichzeitig sind Zeit, Fachressourcen und Managementaufmerksamkeit begrenzt.
Die zentrale Frage lautet deshalb nicht nur:
„Wo könnten wir Kosten senken?“
sondern zunächst:
„Bei welchem Produkt oder Projekt lohnt sich der strukturierte Einsatz unserer Ressourcen am meisten?“
Eine Projekt-Potenzialanalyse hilft dabei, mögliche Wertanalyse- und Kostenoptimierungsprojekte systematisch zu vergleichen und zu priorisieren.
Warum Projektauswahl vor Projektstart wichtig ist
Ein methodisch gut durchgeführtes Wertanalyseprojekt kann trotzdem die falsche Investition sein, wenn das betrachtete Produkt nur geringe wirtschaftliche Relevanz besitzt, kaum veränderbar ist oder wichtige Daten fehlen.
Umgekehrt bleiben attraktive Projekte häufig liegen, weil ihre Potenziale nicht vergleichbar dargestellt werden.
Eine strukturierte Potenzialanalyse schafft deshalb eine Entscheidungsgrundlage, bevor größere Projektressourcen gebunden werden.
Welche Kriterien können betrachtet werden?
Die konkrete Bewertung hängt vom Unternehmen und seiner Strategie ab. Mögliche Kriterien sind unter anderem:
- aktuelles Herstellkostenvolumen
- erwartete zukünftige Stückzahlen
- Laufzeit und Lebenszyklus des Produkts
- Abstand zu Kostenzielen
- Wettbewerbsdruck
- technisches Veränderungspotenzial
- Varianten- und Komplexitätsgrad
- Änderungsaufwand
- verfügbare Entwicklungsressourcen
- strategische Bedeutung
- Kundenrelevanz
- Umsetzungszeitraum
Entscheidend ist nicht, möglichst viele Kriterien zu verwenden. Sie müssen zur konkreten Entscheidungssituation passen.
Vom Bauchgefühl zur vergleichbaren Entscheidung
Ohne strukturierte Bewertung dominieren häufig Einzelmeinungen:
- Vertrieb hält Produkt A für besonders wichtig.
- Einkauf sieht bei Produkt B große Preishebel.
- Entwicklung erwartet bei Produkt C technische Chancen.
- Management priorisiert Produkt D wegen hoher Stückzahlen.
Alle diese Perspektiven können berechtigt sein. Die Potenzialanalyse bringt sie in eine gemeinsame Bewertungslogik.
Dadurch wird nachvollziehbar, warum ein Projekt priorisiert wird und ein anderes zunächst zurückgestellt wird.
Projekt-Potenzialanalyse ist mehr als eine Rangliste
Eine reine Rangfolge reicht für den Projektstart nicht aus.
Für priorisierte Kandidaten sollte anschließend geklärt werden:
- Was genau ist der Untersuchungsumfang?
- Welche Kostenziele sind realistisch zu untersuchen?
- Welche Daten werden benötigt?
- Welche Fachbereiche müssen teilnehmen?
- Welche technischen Randbedingungen bestehen?
- Welche Entscheidungen sind im Projekt möglich?
- Welche Termine und Meilensteine sind erforderlich?
Damit wird aus einem attraktiven Kandidaten ein klar definierter Projektauftrag.
Verbindung zur Wertanalyse
Die Projekt-Potenzialanalyse liegt vor dem eigentlichen Wertanalyseprojekt.
Sie entscheidet, wo sich die anschließende intensive Arbeit mit Kundenanforderungen, Funktionen, Funktionenkosten, Lösungsentwicklung und Bewertung besonders lohnt.
Gerade bei mehreren möglichen Produkten oder Kostenthemen verhindert diese vorgelagerte Auswahl, dass Projektteams nach dem Prinzip „wer am lautesten ruft“ eingesetzt werden.
Typischer Ablauf
Ein möglicher Ablauf umfasst:
- Projektkandidaten erfassen
- Entscheidungskriterien festlegen
- verfügbare Daten zusammenstellen
- Kandidaten vergleichbar bewerten
- Unsicherheiten und Abhängigkeiten dokumentieren
- Projekte priorisieren
- für ausgewählte Projekte Ziel, Umfang, Team und Datenbedarf definieren
Die Methodik sollte so einfach wie möglich und so detailliert wie nötig sein.
Wann ist eine Projekt-Potenzialanalyse besonders sinnvoll?
- vor einer größeren Kosteninitiative
- bei mehreren Produktfamilien oder Varianten
- vor Budget- und Ressourcenentscheidungen
- wenn Kostensenkungsprojekte regelmäßig gestartet werden
- wenn Management, Entwicklung und Einkauf unterschiedliche Prioritäten haben
- wenn zunächst ein geeignetes Pilot- oder Leuchtturmprojekt gesucht wird
Projekt-Potenzialanalyse mit Value Coaching
Value Coaching nutzt die Projekt-Potenzialanalyse als vorgelagerten Schritt, wenn nicht bereits eindeutig feststeht, welches Projekt bearbeitet werden soll.
Ziel ist ein klar definierter Projektauftrag mit Zielsetzung, Untersuchungsumfang, Teamstruktur, benötigter Datenbasis und abgestimmtem Projektplan.
Die Analyse ersetzt nicht das anschließende Wertanalyseprojekt. Sie schafft die Grundlage dafür, das richtige Projekt mit den richtigen Voraussetzungen zu starten.
Wie das in der Praxis aussieht, zeigt das Projektbeispiel Dornbracht: Projekt-Potenzialanalyse vor dem ersten Wertanalyseprojekt. Dort wurden die Produkte zunächst in einem Screening auf ihre Eignung für ein initiales Wertanalyseprojekt untersucht. Ausgewählt wurde eine designorientierte Kopfbrause.
Weiterführende Inhalte
- Produktkosten systematisch senken
- Kostensenkungsprojekt und Kostensenkungsworkshop
- Business Case für Kostensenkungsmaßnahmen
- Unser Beratungsprozess für Wertanalyseprojekte
- Was ist Wertanalyse (Value Engineering) und Value Management?
- Projektbeispiele und Referenzen aus der Wertanalyse
- Projekt besprechen: Erstgespräch vereinbaren


