In Entwicklungs- und Wertanalyseprojekten müssen häufig mehrere Kundenanforderungen, Funktionen oder Bewertungskriterien hinsichtlich ihrer Bedeutung gewichtet werden.
Eine direkte Prozentverteilung ist dabei nicht immer einfach. Der Dualvergleich, auch paarweiser Vergleich genannt, vereinfacht diese Aufgabe: Es werden immer nur zwei Bewertungsgegenstände direkt miteinander verglichen.
Beim gewichteten beziehungsweise differenzierten Dualvergleich wird zusätzlich berücksichtigt, wie deutlich ein Bewertungsgegenstand gegenüber einem anderen bevorzugt wird.
Bewertungsschema des gewichteten Dualvergleichs
Für jeden paarweisen Vergleich wird eine festgelegte Bewertungsskala verwendet:
| Wert | Bedeutung |
|---|---|
| 1/5 | viel schlechter als |
| 1/3 | schlechter als |
| 1 | gleich gut wie |
| 3 | besser als |
| 5 | viel besser als |
Die Formulierung „gut“ kann abhängig von der Aufgabenstellung auch als „wichtig“ verstanden werden.
Werden beispielsweise Kundenanforderungen gewichtet, bedeutet der Wert 3:
Kundenanforderung A ist wichtiger als Kundenanforderung B.
Bei Bewertungskriterien bedeutet er entsprechend:
Kriterium A ist wichtiger als Kriterium B.
Wie wird der Dualvergleich durchgeführt?
Alle Bewertungsgegenstände werden sowohl in den Zeilen als auch in den Spalten einer Matrix eingetragen.
Anschließend wird jeweils der Bewertungsgegenstand der Zeile mit dem Bewertungsgegenstand der Spalte verglichen.
Ein Bewertungsgegenstand ist mit sich selbst immer gleichwertig. Deshalb steht auf der Diagonalen der Matrix immer:
1 = gleich gut wie
Wird Bewertungsgegenstand 1 gegenüber Bewertungsgegenstand 2 mit 1/3 bewertet, bedeutet dies:
Bewertungsgegenstand 1 ist schlechter beziehungsweise weniger wichtig als Bewertungsgegenstand 2.
Für die umgekehrte Betrachtung ergibt sich automatisch der Kehrwert:
3
Dieses Prinzip gilt für die gesamte Matrix.
Beispiel für einen gewichteten Dualvergleich
Fünf Bewertungsgegenstände sollen hinsichtlich ihrer Bedeutung miteinander verglichen werden.
| Bewertungsgegenstand | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | Summe | Gewichtung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 1 | 1/3 | 1/3 | 3 | 5 | 9,66 | 22,0 % |
| 2 | 3 | 1 | 3 | 3 | 5 | 15,00 | 34,1 % |
| 3 | 3 | 1/3 | 1 | 3 | 5 | 12,33 | 28,1 % |
| 4 | 1/3 | 1/3 | 1/3 | 1 | 3 | 5,00 | 11,4 % |
| 5 | 1/5 | 1/5 | 1/5 | 1/3 | 1 | 1,93 | 4,4 % |
| Σ | 43,92 | 100 % |
Das Ergebnis zeigt die unterschiedliche Bedeutung der fünf Bewertungsgegenstände.
Bewertungsgegenstand 2 besitzt mit 34,1 % die höchste Gewichtung. Danach folgen Bewertungsgegenstand 3 mit 28,1 % und Bewertungsgegenstand 1 mit 22,0 %. Bewertungsgegenstand 5 besitzt mit 4,4 % die geringste Gewichtung.
Wie wird die Gewichtung berechnet?
Zunächst werden für jeden Bewertungsgegenstand alle Werte einer Zeile addiert.
Für Bewertungsgegenstand 1 ergibt sich beispielsweise:
1 + 1/3 + 1/3 + 3 + 5 = 9,66
Für die fünf Bewertungsgegenstände ergeben sich die Zeilensummen:
- Bewertungsgegenstand 1: 9,66
- Bewertungsgegenstand 2: 15,00
- Bewertungsgegenstand 3: 12,33
- Bewertungsgegenstand 4: 5,00
- Bewertungsgegenstand 5: 1,93
Anschließend werden alle Zeilensummen addiert:
9,66 + 15,00 + 12,33 + 5,00 + 1,93 = 43,92
Die Gewichtung eines einzelnen Bewertungsgegenstands ergibt sich aus:
Gewichtung = Zeilensumme des Bewertungsgegenstands / Gesamtsumme aller Zeilen
Für Bewertungsgegenstand 1:
9,66 / 43,92 = 22,0 %
Für Bewertungsgegenstand 2:
15,00 / 43,92 = 34,1 %
Auf diese Weise wird aus den einzelnen paarweisen Entscheidungen eine prozentuale Gewichtung aller betrachteten Gegenstände.
Warum werden Kehrwerte verwendet?
Die Werte 1/5, 1/3, 1, 3 und 5 ermöglichen eine symmetrische Bewertung.
Wird beispielsweise festgelegt:
Kriterium 2 ist mit dem Faktor 3 wichtiger als Kriterium 1,
muss für die Gegenrichtung gelten:
Kriterium 1 besitzt gegenüber Kriterium 2 den Wert 1/3.
Entsprechend gehören immer folgende Werte zusammen:
- 5 ↔ 1/5
- 3 ↔ 1/3
- 1 ↔ 1
Dadurch muss jede Paarung nur einmal inhaltlich bewertet werden. Der Wert für die Gegenrichtung ergibt sich automatisch als Kehrwert.
Wo kann der Dualvergleich eingesetzt werden?
Der gewichtete Dualvergleich lässt sich für unterschiedliche Bewertungsaufgaben einsetzen.
In Wertanalyse und Value Engineering sind insbesondere drei Anwendungen interessant:
- Kundenanforderungen gewichten: Welche Anforderungen besitzen aus Sicht der betrachteten Kundengruppe die höchste Bedeutung?
- Funktionen gewichten: Welche Funktionen besitzen für den Nutzen beziehungsweise die Zielerfüllung des Produktes eine besonders hohe Bedeutung?
- Bewertungskriterien gewichten: Welche Kriterien sollen bei der späteren Bewertung verschiedener Lösungskonzepte besonders stark berücksichtigt werden?
Bei der Funktionen-Potenzial-Analyse kann die Gewichtung der Funktionen ein wichtiger Schritt zur Priorisierung sein.
Damit beantwortet der Dualvergleich im Kern die Frage:
Wie wichtig sind mehrere Bewertungsgegenstände im Verhältnis zueinander?
Dualvergleich und Nutzwertanalyse ergänzen sich
Der Dualvergleich und die Nutzwertanalyse erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Mit dem Dualvergleich werden Kriterien gewichtet.
Mit der Nutzwertanalyse werden anschließend unterschiedliche Lösungsalternativen anhand dieser gewichteten Kriterien bewertet.
Ein typischer Ablauf einer Konzeptbewertung lautet:
- Bewertungskriterien festlegen
- Kriterien mit dem gewichteten Dualvergleich vergleichen
- prozentuale Gewichtungen bestimmen
- Lösungsalternativen mit der Nutzwertanalyse bewerten
- technische Wertigkeit ermitteln
Warum ist der Dualvergleich in Teams besonders hilfreich?
Der Nutzen der Methode liegt nicht allein in der Berechnung.
Wenn beispielsweise Entwicklung, Produktion, Einkauf und Produktmanagement gemeinsam entscheiden müssen, welches von zwei Kriterien wichtiger ist und wie deutlich, werden unterschiedliche Perspektiven sichtbar.
Statt unmittelbar über Prozentwerte zu diskutieren, wird eine komplexe Gewichtungsaufgabe in viele überschaubare Einzelentscheidungen zerlegt.
Der gewichtete Dualvergleich unterstützt damit eine strukturierte und nachvollziehbare Gewichtung von Kundenanforderungen, Funktionen oder Bewertungskriterien und schafft eine Grundlage für nachfolgende Bewertungsmethoden wie die Nutzwertanalyse.
Die Methode wird auch im Seminar Wertanalyse / Value Management Modul 1 vermittelt und anhand von Übungen praktisch angewendet.
