Ein Wertanalyseprojekt kann viele Lösungsansätze erzeugen.
Ohne klare Ziele entsteht jedoch schnell eine Diskussion darüber, welche Idee „am besten“ ist.
Genau deshalb sieht der Wertanalyse-Arbeitsplan bereits in der Projektdefinition und Analyse vor, Ziele und Bewertungskriterien zu konkretisieren.
Im Arbeitsschritt 4 wird dies ausdrücklich mit:
4.3 Detailziele und Bewertungskriterien festlegen
verbunden.
Vom Grobziel zum Detailziel
Ein Projekt beginnt häufig mit einem übergeordneten Ziel wie:
„Produktkosten reduzieren.“
Dieses Ziel ist für die spätere Bewertung noch zu unspezifisch.
Detailziele können beispielsweise zusätzliche Anforderungen beschreiben:
- wesentliche Kundenfunktionen erhalten
- definierte technische Leistung erreichen
- Investitionsrahmen beachten
- Terminziele einhalten
- Qualitätsanforderungen erfüllen
- Gewicht oder Bauraum berücksichtigen
Welche Ziele relevant sind, hängt vom Projekt ab.
Bewertungskriterien früh festlegen
Wenn Kriterien erst nach der Ideenentwicklung definiert werden, besteht die Gefahr, dass sie unbewusst an bevorzugte Lösungen angepasst werden.
Deshalb ist es sinnvoll, bereits vor der eigentlichen Bewertung zu klären:
Nach welchen Kriterien wollen wir später entscheiden?
Das schafft Transparenz.
Typische Kategorien
Je nach Projekt können Kriterien betreffen:
- Kundennutzen
- Funktionserfüllung
- Herstellkosten
- Investition
- technische Machbarkeit
- Entwicklungsaufwand
- Risiko
- Qualität
- Termin
- Nachhaltigkeit
Nicht jedes Projekt braucht dieselben Kriterien.
Kriterien müssen verständlich sein
Ein Kriterium wie „technisch gut“ ist schwer nachvollziehbar.
Besser ist eine möglichst klare Beschreibung dessen, was beurteilt werden soll.
Je transparenter die Kriterien sind, desto besser können unterschiedliche Fachbereiche ihre Einschätzungen begründen.
Detailziele schaffen Fokus für die Kreativphase
Detailziele dienen nicht nur der späteren Bewertung.
Sie beeinflussen bereits die Ideenentwicklung.
Wenn beispielsweise feststeht, dass:
- eine bestimmte Kundenfunktion erhalten bleiben muss,
- ein Bauraum unveränderlich ist,
- eine Investitionsgrenze gilt,
kann das Team gezielter nach passenden Lösungen suchen.
Zielkonflikte sichtbar machen
Projekte besitzen häufig widersprüchliche Ziele.
Zum Beispiel:
- geringere Kosten
- höhere Leistung
- weniger Gewicht
- kürzere Entwicklungszeit
Eine strukturierte Bewertung macht solche Zielkonflikte sichtbar.
Sie löst sie nicht automatisch, hilft aber bei einer nachvollziehbaren Entscheidung.
Verbindung zur Bewertungsphase
In Arbeitsschritt 6 und 7 des Wertanalyse-Arbeitsplans werden Ideen beziehungsweise Lösungen bewertet.
Die zuvor definierten Detailziele und Kriterien bilden dafür die Basis.
Damit verbindet Arbeitsschritt 4 die Analysephase direkt mit der späteren Entscheidungsfindung.
Weiterführende Inhalte
- Der Wertanalyse-Arbeitsplan in 10 Arbeitsschritten
- Bewerten in der Wertanalyse: Ideen nachvollziehbar priorisieren
- QFD: Kundenanforderungen systematisch gewichten
- Wertanalyse im Unternehmen einführen: mit einem Pilotprojekt starten
- Kosten-Nutzen-Betrachtung und Wertindex
- Projekt-Potenzialanalyse: die richtigen Projekte auswählen
- VDI 2800 Blatt 1 – Wertanalyse (VDI)
