Ein Wettbewerbsprodukt kann viele Antworten enthalten.
Es zeigt beispielsweise:
- welche Funktionen angeboten werden,
- wie diese technisch umgesetzt sind,
- welche Materialien eingesetzt werden,
- wie viele Teile benötigt werden,
- welche Fertigungsverfahren sichtbar sind
- und welche Leistungsmerkmale der Markt akzeptiert.
Die entscheidende Frage in der Wertanalyse lautet jedoch nicht:
„Wie können wir den Wettbewerber kopieren?“
Sondern:
„Was können wir aus einer anderen Lösung lernen?“
Benchmarking erweitert die interne Perspektive
Unternehmen arbeiten häufig jahrelang mit einer bestimmten technischen Architektur.
Dadurch entstehen nachvollziehbare Gewohnheiten:
- bestimmte Werkstoffe,
- bekannte Lieferanten,
- vertraute Fertigungsverfahren,
- typische Dimensionierungen,
- etablierte Baugruppen.
Ein Benchmark kann zeigen, dass dieselbe oder eine ähnliche Funktion auch anders erfüllt werden kann.
Damit wird er zum Impuls für die weitere Analyse.
Vom Bauteilvergleich zum Funktionenvergleich
Ein reiner Teilevergleich bleibt häufig an den vorhandenen Konstruktionen hängen.
Die wertanalytische Betrachtung verbindet Benchmarking deshalb sinnvoll mit der Funktionenanalyse.
Statt nur zu vergleichen:
- unser Bauteil gegen Wettbewerbsbauteil,
kann untersucht werden:
- Welche Funktion wird erfüllt?
- Welche technische Lösung verwendet der Wettbewerb?
- Welcher Aufwand ist dafür notwendig?
- Welche Kundenanforderungen werden damit erfüllt?
- Welche Vor- und Nachteile entstehen?
Dadurch wird der Vergleich lösungsneutraler.
Benchmarking und Kostentreiber
Besonders interessant sind Unterschiede bei kostentreibenden Funktionen.
Wenn eine Funktion im eigenen Produkt einen hohen Aufwand verursacht, kann untersucht werden:
- Wie lösen Wettbewerber dieselbe Aufgabe?
- Wird die Funktion dort überhaupt in gleichem Umfang angeboten?
- Ist die Lösung einfacher aufgebaut?
- werden mehrere Funktionen integriert?
- sind Anforderungen oder Toleranzen unterschiedlich?
- kommt ein anderes Fertigungsverfahren zum Einsatz?
Solche Beobachtungen erzeugen noch keine fertige Lösung. Sie liefern aber konkrete Suchfelder.
Technische Benchmarks mit Kundenanforderungen verbinden
Eine günstigere Lösung ist nicht automatisch besser.
Ein Wettbewerber kann bewusst weniger Leistung anbieten oder eine andere Zielgruppe bedienen.
Deshalb muss ein Benchmark immer im Kontext der Kundenanforderungen betrachtet werden.
Die zentrale Frage ist:
Welche Leistungsmerkmale braucht unser Kunde tatsächlich – und welche technische Lösung erzeugt dafür ein gutes Verhältnis von Nutzen und Aufwand?
Benchmarking im Kreativprozess
Ein guter Benchmark kann sowohl vor als auch während der Kreativphase helfen.
Er kann:
- bestehende Annahmen infrage stellen,
- alternative Wirkprinzipien sichtbar machen,
- konkrete technische Suchrichtungen liefern,
- Überfunktionalität erkennen helfen,
- Standardisierungsmöglichkeiten aufzeigen.
Das Ziel ist nicht, die Lösung des Wettbewerbs zu übernehmen, sondern die eigene Denkbasis zu erweitern.
Praktischer Bezug bei Value Coaching
Benchmarking wird auf value-coaching.net bereits im Zusammenhang mit Wertanalyse-Seminaren und Projektarbeit genannt.
Kundenreferenzen beschreiben beispielsweise, dass Wettbewerbsprodukte untersucht und mit Funktionen- und Kostenbetrachtungen verbunden wurden.
Weiterführende Inhalte
- Funktionenanalyse: Aufgaben statt Bauteile betrachten
- Funktionenkostenanalyse: Kosten den Funktionen zuordnen
- Funktionen-Potenzial-Analyse: Suchfelder priorisieren
- QFD: Kundenanforderungen systematisch gewichten
- Produktkosten systematisch senken
- Der Wertanalyse-Arbeitsplan in 10 Arbeitsschritten
- Kreativität in der Wertanalyse und TRIZ
- Teardown und Produktbenchmarking
