Produktentwicklung beginnt häufig mit technischen Anforderungen. Doch bevor entschieden wird, wie ein Produkt technisch gestaltet wird, sollte klar sein, welche Eigenschaften für Kunden tatsächlich relevant sind.
Genau hier setzt Quality Function Deployment, kurz QFD, an.
QFD unterstützt dabei, Kundenanforderungen systematisch zu erfassen, zu gewichten und mit technischen Merkmalen oder Lösungsparametern zu verbinden.
Im Kontext von Wertanalyse und Value Engineering hilft die Methode, Kundennutzen und technische Produktgestaltung enger miteinander zu verknüpfen.
Nicht jeder Kunde erwartet dasselbe
Eine pauschale Aussage darüber, was „der Kunde“ möchte, reicht häufig nicht aus.
Je nach Markt, Kundentyp, Anwendung, Region oder Produktklasse können unterschiedliche Anforderungen entscheidend sein.
Deshalb sollte zunächst geklärt werden:
- Welche Kundengruppen und Marktsegmente betrachten wir?
- Welche Kriterien sind kaufentscheidend?
- Welche Anforderungen sind zwingend notwendig?
- Welche Merkmale differenzieren gegenüber Wettbewerbern?
- Welche Zusatzfunktionen werden tatsächlich wahrgenommen und honoriert?
Diese Arbeit schafft die Basis für eine kundennutzenorientierte Produktoptimierung.
Was leistet QFD?
QFD schafft eine strukturierte Verbindung zwischen der Sprache des Kunden und der technischen Sprache des Unternehmens.
Ein typisches Ziel besteht darin, verständlich zu machen:
Welche Kundenanforderung beeinflusst welche technischen Merkmale – und mit welcher Bedeutung?
Dadurch können Entwicklungsteams technische Entscheidungen stärker an den tatsächlich relevanten Kundenanforderungen ausrichten.
Warum ist QFD für Kostenoptimierung relevant?
Kostenoptimierung wird problematisch, wenn nicht bekannt ist, welche Produktmerkmale den Wert für den Kunden bestimmen.
Ohne diese Information besteht das Risiko, an der falschen Stelle zu reduzieren oder technisch aufwendige Merkmale beizubehalten, die für die Kaufentscheidung wenig Bedeutung besitzen.
QFD kann deshalb eine wichtige Grundlage für Wertanalyseprojekte sein:
- Kundenanforderungen werden priorisiert.
- technische Merkmale werden damit verknüpft.
- Zielkonflikte werden sichtbar.
- wichtige Eigenschaften können von weniger relevanten unterschieden werden.
- die Funktionen- und Kostenanalyse erhält eine kundenbezogene Grundlage.
QFD im Zusammenspiel mit Funktionenanalyse
QFD und Funktionenanalyse beantworten unterschiedliche Fragen.
QFD fragt vereinfacht:
Was ist für den Kunden wichtig und welche technischen Merkmale beeinflussen dies?
Die Funktionenanalyse fragt:
Welche Aufgaben muss das Produkt erfüllen?
Beide Perspektiven ergänzen sich. Kundenanforderungen helfen zu verstehen, welche Funktionen und Leistungsmerkmale besonders relevant sind. Die Funktionenanalyse löst sich anschließend stärker von der konkreten technischen Lösung.
Ein möglicher Ablauf
Je nach Projekt kann die Arbeit beispielsweise folgende Schritte umfassen:
- relevante Kundengruppen definieren
- Kundenanforderungen erfassen
- Anforderungen strukturieren und gewichten
- Wettbewerbsprodukte bewerten
- technische Merkmale zuordnen
- Wechselwirkungen und Zielkonflikte analysieren
- technische Prioritäten und Zielwerte ableiten
Nicht jedes Projekt benötigt eine vollständige House-of-Quality-Darstellung. Entscheidend ist, dass die eingesetzte Methodik zum Informationsbedarf und zur Entscheidung passt.
QFD in Wertanalyseprojekten
Auf der aktuellen Beratungsseite von Value Coaching ist die Kundenphase bewusst der Funktionen- und Kostenanalyse zugeordnet. Zunächst werden Kundengruppen, kaufentscheidende Kriterien, Muss- und Soll-Anforderungen sowie Wettbewerb betrachtet. Erst anschließend werden Funktionen und Kosten vertieft analysiert.
Damit wird verhindert, dass das Projekt ausschließlich von der bestehenden technischen Lösung ausgeht.
Wann ist QFD besonders hilfreich?
- bei Neuentwicklungen
- bei Produktüberarbeitungen
- bei widersprüchlichen Kundenanforderungen
- bei vielen Stakeholdern oder Kundensegmenten
- bei unklarer Priorität technischer Merkmale
- bei Kostenoptimierung mit hohem Risiko für Kundennutzen
- beim Vergleich mit Wettbewerbsprodukten
QFD mit Value Coaching
Value Coaching setzt Kundenanforderungsanalyse und QFD dort ein, wo sie zur konkreten Aufgabenstellung passen. Die Methode wird mit Wertanalyse, Funktionenanalyse, Funktionenkosten, Benchmarking und Bewertungsmethoden verbunden.
Ziel ist keine möglichst große Methodenmatrix, sondern eine belastbare Entscheidungsgrundlage für Produktgestaltung und Kostenoptimierung.
