Wenn ein Produkt zu teuer ist, reicht die Information:
„Wir müssen zehn Prozent günstiger werden.“
für ein konkretes Projekt nicht aus.
Das Team benötigt ein gemeinsames Verständnis dafür:
- wo Kosten entstehen,
- welche Kostenarten besonders relevant sind,
- welche Bauteile oder Prozesse Kostenschwerpunkte bilden,
- welche Kosten mit welchen Funktionen verbunden sind,
- welche Kosten kurz- oder langfristig überhaupt beeinflussbar sind.
Kostentransparenz ist deshalb eine wichtige Grundlage für systematische Produktkostenoptimierung.
Welche Kosteninformationen sind hilfreich?
Je nach Projekt können unter anderem relevant sein:
- Materialkosten
- Zukaufteile
- Fertigungskosten
- Montageaufwand
- Werkzeugkosten
- Investitionen
- Prüf- und Qualitätsaufwand
- Logistik
- Ausschuss und Nacharbeit
- gegebenenfalls Entwicklungs- oder Änderungskosten
Welche Tiefe notwendig ist, hängt vom Projektziel ab.
Nicht jedes Projekt benötigt dieselbe Kostengliederung.
Kostenstruktur statt Gesamtzahl
Eine Gesamtsumme zeigt, wie teuer ein Produkt ist.
Sie zeigt aber nicht, warum es teuer ist.
Erst eine Kostenstruktur ermöglicht Fragen wie:
- Welche Baugruppen bestimmen den größten Anteil?
- Welche Kosten sind konstruktiv verursacht?
- wo entstehen hohe Fertigungsaufwände?
- welche Zukaufteile sind besonders relevant?
- welche Kosten entstehen durch Varianten oder Sonderlösungen?
Damit entstehen konkrete Suchfelder.
Kostendaten müssen technisch interpretiert werden
Eine hohe Kostenposition ist nicht automatisch ein Problem.
Ein teures Bauteil kann eine zentrale Kundenfunktion erfüllen.
Umgekehrt kann ein vergleichsweise kleiner Kostenblock auf eine unnötig komplexe technische Lösung hinweisen.
Deshalb sollte Kostenanalyse immer mit technischer und funktionaler Analyse verbunden werden.
Bauteilkosten und Funktionenkosten unterscheiden
Klassische Kostenrechnungen orientieren sich häufig an Bauteilen und Baugruppen.
Wertanalyse ergänzt diese Sicht um die Frage:
Welche Kosten entstehen für die Erfüllung einer Funktion?
Mit der Funktionenkostenanalyse können Kostenanteile Funktionen zugeordnet werden.
Dadurch wird sichtbar, welche Funktionen besonders hohe Ressourcen beanspruchen.
Kostentransparenz ist kein Selbstzweck
Ein Projekt kann sehr viel Zeit in perfekte Kostenmodelle investieren.
Das ist nicht automatisch sinnvoll.
Die Daten müssen ausreichend belastbar sein, um Entscheidungen und Suchfelder zu unterstützen.
Wenn eine zusätzliche Detaillierung keine neue Erkenntnis liefert, kann sie mehr Aufwand als Nutzen erzeugen.
Unterschiedliche Datenquellen zusammenführen
Kosteninformationen können beispielsweise stammen aus:
- ERP-Systemen
- Kalkulationen
- Stücklisten
- Arbeitsplänen
- Lieferantenangeboten
- Einkaufsdaten
- Prozesszeiten
- Cost-Engineering-Modellen
Die Datenquellen können unterschiedliche Zwecke und Genauigkeiten besitzen.
Deshalb sollte transparent bleiben, welche Zahl aus welcher Quelle stammt und auf welchen Annahmen sie basiert.
