Wenn ein Produkt zu teuer ist, beginnt die Diskussion häufig bei den teuersten Bauteilen.
Die Fragen lauten dann:
- Können wir das Material günstiger einkaufen?
- kann die Wandstärke reduziert werden?
- gibt es einen günstigeren Lieferanten?
- lässt sich das Fertigungsverfahren ändern?
Diese Fragen sind sinnvoll.
Sie haben aber einen gemeinsamen Nachteil:
Das vorhandene Bauteil wird bereits als notwendige Lösung vorausgesetzt.
Wertanalyse versucht deshalb, einen Schritt früher anzusetzen.
Ein Bauteil ist eine Lösung – eine Funktion beschreibt die Aufgabe
Ein Bauteil wurde entwickelt, um bestimmte Aufgaben zu erfüllen.
Beispielsweise:
- Kraft übertragen
- Bauteil führen
- Medium abdichten
- Wärme ableiten
- Nutzer schützen
- Information anzeigen
Wenn die Diskussion auf der Funktionsebene beginnt, ist die bestehende Konstruktion nicht mehr die einzige denkbare Antwort.
Die Frage lautet:
„Wie kann diese Funktion noch erfüllt werden?“
Ein Bauteil erfüllt meist mehrere Funktionen
Technische Bauteile besitzen häufig nicht nur eine einzelne Aufgabe.
Ein Gehäuse kann beispielsweise:
- Komponenten aufnehmen,
- Kräfte übertragen,
- vor Berührung schützen,
- Wärme ableiten,
- Design prägen,
- Schnittstellen bereitstellen.
Deshalb ist es nicht ausreichend, ein Bauteil nur als Kostenblock zu betrachten.
Die Funktionenanalyse macht sichtbar, welche Aufgaben tatsächlich erfüllt werden.
Neue Lösungsräume entstehen
Wenn eine Funktion lösungsneutral beschrieben ist, können Alternativen entstehen:
- Funktion in anderes Bauteil integrieren
- Standardkomponente einsetzen
- Wirkprinzip verändern
- Funktion vollständig vermeiden
- mehrere Funktionen zusammenführen
- Zukaufbaugruppe nutzen
- Material oder Fertigungsverfahren ändern
Diese Ansätze wären bei einer reinen Bauteiloptimierung teilweise gar nicht diskutiert worden.
Funktionen helfen auch im Team
Die Funktionenorientierung besitzt noch einen zweiten Nutzen.
Entwicklung, Einkauf, Produktion und Produktmanagement verwenden häufig unterschiedliche Fachsprachen.
Eine gemeinsam formulierte Funktion kann helfen, ein gemeinsames Verständnis der Aufgabe herzustellen.
Dadurch wird die Diskussion weniger abhängig von der bestehenden organisatorischen oder konstruktiven Sicht.
Kosten den Funktionen zuordnen
Nach der Funktionenanalyse kann untersucht werden, welcher Aufwand mit den einzelnen Funktionen verbunden ist.
Die Funktionenkostenanalyse ergänzt damit die technische Perspektive um eine wirtschaftliche Sicht.
Erst diese Kombination ermöglicht Fragen wie:
„Warum kostet die Erfüllung dieser Funktion so viel?“
oder:
„Ist der Aufwand im Verhältnis zum Kundennutzen angemessen?“
Funktionenorientierung ist kein Selbstzweck
Nicht jede Funktion muss neu erfunden werden.
Wenn eine bestehende Lösung technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, kann sie selbstverständlich beibehalten werden.
Das Ziel ist nicht Veränderung um der Veränderung willen.
Ziel ist, die bestehende Lösung zunächst gedanklich von der Aufgabe zu trennen, damit Alternativen überhaupt sichtbar werden können.
Weiterführende Inhalte
- Funktionenanalyse: Aufgaben statt Bauteile betrachten
- Funktionenkostenanalyse: Kosten den Funktionen zuordnen
- Produktkosten systematisch senken
- Funktionen-Potenzial-Analyse: Suchfelder priorisieren
- Kreativität in der Wertanalyse und TRIZ
- Was ist Wertanalyse (Value Engineering) und Value Management?
- Overengineering erkennen
