Wertanalyse und Cost Engineering werden in Unternehmen teilweise als alternative Methoden betrachtet. In der Praxis beantworten sie jedoch unterschiedliche Fragen und können sich sehr wirkungsvoll ergänzen.
Vereinfacht gesagt beschäftigt sich Cost Engineering intensiv mit der Transparenz, Planung und Beeinflussung von Produktkosten. Wertanalyse verbindet Kosten zusätzlich systematisch mit Funktionen und Kundennutzen.
Typische Fragen des Cost Engineering
Je nach Unternehmen umfasst Cost Engineering beispielsweise Themen wie:
- Produktkostenkalkulation,
- Kostenstrukturen,
- Target Costing,
- Should Costing,
- Herstellverfahren und Prozesskosten,
- Benchmarks,
- Kostenprognosen,
- Design-to-Cost.
Ziel ist eine belastbare wirtschaftliche Sicht auf technische Produkte und Entscheidungen.
Typische Fragen der Wertanalyse
Wertanalyse beziehungsweise Value Engineering fragt zusätzlich:
- Welche Funktionen muss das Produkt erfüllen?
- Welche Funktionen sind für Kunden besonders wichtig?
- Welche Kosten verursachen diese Funktionen?
- Können Funktionen anders oder einfacher erfüllt werden?
- Welche technische Lösung schafft ein besseres Verhältnis von Nutzen und Aufwand?
Die funktionale Abstraktion ist damit ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal.
Funktionenkosten als Verbindung
Die Funktionenkostenanalyse bildet eine direkte Schnittstelle zwischen beiden Welten.
Bauteil- und Herstellkosten werden den Funktionen des Produkts zugeordnet. Dadurch entsteht eine Sicht, die sowohl für Kostenexperten als auch für Entwicklungs- und Wertanalyseteams relevant ist.
Target Costing und Wertanalyse
Target Costing definiert wirtschaftliche Zielgrößen. Wertanalyse kann helfen, technische Lösungswege zu entwickeln, um diese Ziele zu erreichen.
Damit können sich die Ansätze ergänzen:
Markt- und Zielkosten → Funktions- und Kundenperspektive → technische Lösungsentwicklung → wirtschaftliche Bewertung
Wann welche Perspektive besonders wichtig ist
Cost Engineering ist besonders stark, wenn Kostentransparenz, Kalkulation oder wirtschaftliche Bewertung im Mittelpunkt stehen.
Wertanalyse ist besonders relevant, wenn bestehende technische Lösungen funktional hinterfragt und interdisziplinär neue Lösungsräume geöffnet werden sollen.
In anspruchsvollen Produktkostenprojekten werden beide Perspektiven häufig benötigt.
Organisatorische Zusammenarbeit
Besonders wirkungsvoll ist die Verbindung, wenn Cost Engineering nicht erst am Ende eines Entwicklungsprojekts Kosten meldet und Wertanalyse nicht als isolierter Workshop läuft.
Gemeinsame Projektarbeit ermöglicht, Kostendaten früh in die funktionale und technische Lösungsentwicklung einzubringen.
Kostenanalyse und Cost Engineering vertiefen
- Kostentransparenz als Grundlage der Produktkostenoptimierung
- Cost Breakdown: Produktkosten strukturiert analysieren
- Kostentreiber im Produkt systematisch identifizieren
- Should Costing: technische Kosten nachvollziehbar kalkulieren
- Teardown und Produktbenchmarking
- Zielkosten auf Funktionen übertragen
- Lieferantenangebote technisch plausibilisieren
- Total Cost statt Einzelpreis
- Business Case für Kostensenkungsmaßnahmen
- Daten, Annahmen und Unsicherheit im Cost Engineering
