Produktkosten gehören nicht einer einzelnen Abteilung

Fachlich verantwortet von Dr.-Ing. Jörg Marchthaler, Value Coaching Marchthaler

Wenn Produktkosten zu hoch sind, wird Verantwortung schnell verteilt:

  • Entwicklung soll günstiger konstruieren.
  • Einkauf soll bessere Preise verhandeln.
  • Produktion soll effizienter fertigen.

Jeder Bereich kann Beiträge leisten.

Das Problem:

Viele Kosten entstehen gerade an den Schnittstellen zwischen diesen Bereichen.

Wertanalyse bringt deshalb relevante Fachbereiche bewusst gemeinsam an eine Aufgabe.

Entwicklung beeinflusst den größten Lösungsraum

Die Entwicklung legt unter anderem fest:

  • technische Architektur
  • Materialien
  • Toleranzen
  • Bauteile
  • Schnittstellen
  • Leistungsumfang

Diese Entscheidungen beeinflussen spätere Beschaffungs- und Fertigungskosten.

Einkauf kennt andere Lösungsalternativen

Der Einkauf besitzt Wissen über:

  • Lieferanten
  • Marktpreise
  • Standardteile
  • alternative Verfahren
  • verfügbare Technologien
  • Beschaffungsrisiken

Wenn dieses Wissen erst nach Abschluss der Konstruktion genutzt wird, reduziert sich sein Einfluss auf die technische Lösung.

Produktion kennt reale Prozesskosten

Die Produktion sieht:

  • Bearbeitungszeiten
  • Montageprobleme
  • Ausschuss
  • Nacharbeit
  • Automatisierungspotenziale
  • Werkzeugthemen
  • Prozessgrenzen

Dieses Wissen kann bereits während der Produktgestaltung relevant sein.

Gemeinsame Funktionen statt Abteilungsargumente

Eine Funktionenanalyse kann helfen, die Diskussion von der Abteilungsperspektive zu lösen.

Statt:

„Die Konstruktion hat das so festgelegt.“

oder:

„Der Einkauf findet keinen günstigeren Lieferanten.“

lautet die gemeinsame Frage:

„Welche Funktion müssen wir erfüllen – und welche Lösung erzeugt dafür den besten Wert?“

Damit wird das Problem methodisch neutraler.

Konflikte transparent machen

Bereichsübergreifende Optimierung erzeugt Zielkonflikte.

Beispiele:

  • günstigere Beschaffung versus Qualitätsrisiko
  • einfachere Konstruktion versus höhere Werkzeugkosten
  • Standardisierung versus Marktanforderung
  • geringere Materialkosten versus längere Montagezeit

Die Aufgabe besteht nicht darin, Konflikte zu vermeiden.

Sie müssen sichtbar und entscheidbar gemacht werden.

Moderation schafft Struktur

Gerade bei starken Bereichsinteressen kann eine methodische Moderation hilfreich sein.

Sie sorgt dafür, dass:

  • Ziele geklärt werden
  • Daten gemeinsam betrachtet werden
  • Funktionen analysiert werden
  • Ideen nicht vorschnell abgewehrt werden
  • Bewertungskriterien transparent sind
  • Entscheidungen vorbereitet werden

Wertanalyse als gemeinsamer Arbeitsprozess

Der Wertanalyse-Arbeitsplan verbindet:

  • Projektdefinition
  • Datenanalyse
  • Funktionen- und Kostenanalyse
  • Ideenentwicklung
  • Bewertung
  • Entscheidung
  • Umsetzung

Damit entsteht ein gemeinsamer Prozess statt mehrerer paralleler Optimierungen.

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