Bei einem Serienprodukt sind viele Entscheidungen bereits getroffen.
Das kann die Veränderung erschweren.
Gleichzeitig besitzt das Unternehmen einen großen Vorteil:
Es liegen reale Erfahrungen vor.
Dazu können gehören:
- tatsächliche Herstellkosten
- Lieferantenpreise
- Produktionsdaten
- Qualitätsprobleme
- Serviceerfahrungen
- Kundenfeedback
- Wettbewerbsinformationen
Diese Daten schaffen eine belastbare Grundlage für ein Wertanalyseprojekt.
Warum klassische Cost-Down-Maßnahmen irgendwann an Grenzen stoßen
Viele Unternehmen optimieren bestehende Produkte kontinuierlich.
Typische Maßnahmen:
- Preisverhandlungen
- Materialsubstitution
- Prozessverbesserungen
- Lieferantenwechsel
- Automatisierung
Diese Ansätze bleiben wichtig.
Wenn sie weitgehend ausgeschöpft sind, kann eine stärkere Abstraktion notwendig werden.
Statt nur zu fragen:
„Wie wird das bestehende Bauteil günstiger?“
lautet die wertanalytische Frage:
„Welche Funktion muss erfüllt werden – und gibt es eine grundsätzlich andere Lösung?“
Reale Nutzung als Wissensquelle
Ein Serienprodukt zeigt, welche Funktionen in der Praxis tatsächlich relevant sind.
Kundenfeedback kann beispielsweise Hinweise geben auf:
- besonders geschätzte Merkmale
- selten genutzte Funktionen
- Qualitätsprobleme
- Überfunktionalität
- neue Anforderungen
Diese Informationen sollten in die Analyse einfließen.
Funktionenkosten machen Kostenschwerpunkte sichtbar
Die bestehende Kostenstruktur kann über die Funktionenkostenanalyse neu betrachtet werden.
Statt nur Bauteilkosten zu untersuchen, werden Kosten den Funktionen zugeordnet.
Dadurch können andere Suchfelder entstehen.
Änderungen müssen wirtschaftlich bewertet werden
Bei bestehenden Produkten entstehen durch Änderungen häufig zusätzliche Aufwände.
Beispiele:
- neue Werkzeuge
- Validierung
- Änderung von Dokumentation
- Restbestände
- Produktionsumstellung
- Lieferantenwechsel
- Freigaben
Deshalb sollte nicht nur die theoretische Stückkostensenkung betrachtet werden.
Produktlebenszyklus berücksichtigen
Eine Maßnahme kann technisch sinnvoll sein, sich aber bei kurzer Restlaufzeit nicht mehr wirtschaftlich rechnen.
Umgekehrt kann eine größere Änderung bei hohen Stückzahlen und langer Laufzeit attraktiv sein.
Wertanalyse muss deshalb den wirtschaftlichen Kontext des Produkts berücksichtigen.
Bestehendes Produkt oder neue Generation?
Manchmal zeigt ein Wertanalyseprojekt, dass einzelne Maßnahmen im aktuellen Produkt sinnvoll sind, größere Potenziale aber erst in der nächsten Generation realisiert werden können.
Dann kann die Analyse beide Horizonte verbinden:
- kurzfristige Maßnahmen im Serienprodukt
- strukturelle Änderungen in der Nachfolgegeneration
Weiterführende Inhalte
- Produktkosten systematisch senken
- Value Engineering in der Neuentwicklung
- Funktionenanalyse: Aufgaben statt Bauteile betrachten
- Funktionenkostenanalyse: Kosten den Funktionen zuordnen
- Umsetzung: aus Ideen wirksame Maßnahmen machen
- Kostensenkungsprojekt und Kostensenkungsworkshop
- Projekt-Potenzialanalyse: die richtigen Projekte auswählen
