Produktportfolios wachsen oft über viele Jahre.
Neue Kundenwünsche, Sonderausführungen, Märkte und technische Änderungen führen zu:
- mehr Bauteilen,
- mehr Varianten,
- mehr Zeichnungen,
- mehr Lieferantenpositionen,
- mehr Werkzeugen,
- mehr Prüfaufwand,
- höheren Beständen.
Standardisierung und Modularisierung können diese Komplexität reduzieren.
Die Herausforderung besteht darin, nicht die Differenzierung zu entfernen, für die der Kunde tatsächlich bezahlt.
Standardisierung beginnt nicht bei der Teilenummer
Eine reine Gleichteilestrategie kann schnell an Grenzen stoßen.
Die wertanalytische Frage lautet zunächst:
Welche Funktionen und Leistungsmerkmale müssen wirklich unterschiedlich sein?
Wenn verschiedene Produkte dieselbe Funktion mit ähnlichen Anforderungen erfüllen, kann geprüft werden, ob technische Lösungen vereinheitlicht werden können.
Modularisierung trennt gemeinsame und differenzierende Funktionen
Ein modularer Aufbau kann gemeinsame Funktionen in standardisierten Modulen bündeln und differenzierende Funktionen dort belassen, wo sie tatsächlich benötigt werden.
Damit können beispielsweise:
- Entwicklungsaufwand,
- Variantenvielfalt,
- Einkaufsvolumen,
- Fertigungskomplexität,
- Ersatzteilvielfalt
reduziert werden.
Gleichzeitig muss der Produktnutzen erhalten bleiben.
Kundenanforderungen als Grenze der Standardisierung
Nicht jede Variante ist unnötig.
Einige Unterschiede sind für:
- Marktsegmente,
- gesetzliche Anforderungen,
- technische Anwendungen,
- Einbausituationen,
- Leistungsanforderungen
zwingend erforderlich.
Deshalb sollte Variantenreduzierung immer mit Kunden- und Marktanforderungen verbunden werden.
Funktionenanalyse als methodischer Ausgangspunkt
Die Funktionenanalyse hilft zu erkennen:
- welche Funktionen alle Varianten gemeinsam erfüllen,
- welche Funktionen nur einzelne Varianten benötigen,
- welche technischen Lösungen historisch unterschiedlich entstanden sind,
- wo gleiche Funktionen mit unterschiedlichen Bauteilen umgesetzt werden.
Dadurch entstehen konkrete Standardisierungs- und Modularisierungssuchfelder.
Funktionenkosten und Komplexitätswirkung
Interessant ist nicht nur der direkte Teilepreis.
Varianten erzeugen auch indirekten Aufwand, beispielsweise in:
- Disposition,
- Logistik,
- Stammdaten,
- Qualität,
- Planung,
- Dokumentation,
- Service.
Nicht jeder dieser Effekte lässt sich ohne Weiteres einer einzelnen Variante exakt zurechnen.
Trotzdem sollte die Entscheidung nicht nur auf den Materialpreis reduziert werden.
Wertanalyse als Rahmen
Wertanalyse verbindet:
- Kundenanforderungen,
- Funktionen,
- Kosten,
- Wettbewerb,
- technische Lösungsentwicklung.
Dadurch kann Standardisierung gezielt dort erfolgen, wo sie den Wert des Produkts verbessert und nicht nur die Zahl der Teilenummern reduziert.
