Bei Make-or-Buy-Entscheidungen wird häufig gefragt:
„Ist es günstiger, dieses Teil selbst herzustellen oder einzukaufen?“
Diese Frage ist wichtig, kann aber zu eng sein.
Wertanalyse erweitert die Perspektive:
„Welche Funktion muss erfüllt werden – und welche Form der Leistungserstellung erfüllt sie wirtschaftlich und zuverlässig?“
Dadurch wird nicht nur ein vorhandenes Bauteil verglichen, sondern auch hinterfragt, ob die heutige technische Lösung überhaupt die sinnvollste ist.
Vom Bauteil zur Funktion
Ein Bauteil kann mehrere Funktionen erfüllen.
Umgekehrt kann eine Funktion durch:
- ein einzelnes Bauteil,
- mehrere Bauteile,
- eine Standardkomponente,
- eine Lieferantenbaugruppe
- oder eine vollständig andere technische Lösung
realisiert werden.
Wenn Make-or-Buy nur auf Basis der bestehenden Zeichnung diskutiert wird, bleiben solche Alternativen häufig unsichtbar.
Welche Kosten sollten betrachtet werden?
Ein reiner Vergleich von Herstellkosten und Einkaufspreis reicht häufig nicht aus.
Abhängig vom Fall können relevant sein:
- Materialkosten
- Fertigungskosten
- Werkzeugkosten
- Investitionen
- Qualitätskosten
- Logistik
- Bestände
- Prüfaufwand
- Beschaffungsaufwand
- technische Betreuung
- Änderungsaufwand
- Gewährleistungs- und Ausfallrisiken
Welche Kostenpositionen einbezogen werden müssen, hängt von der konkreten Entscheidung ab.
Strategische Kriterien gehören dazu
Nicht jede Make-or-Buy-Entscheidung ist ausschließlich wirtschaftlich.
Weitere Kriterien können sein:
- Kernkompetenz
- Know-how-Schutz
- Versorgungssicherheit
- technologische Abhängigkeit
- Flexibilität
- Kapazität
- Lieferantenmarkt
- Skalierbarkeit
- Reaktionsgeschwindigkeit
Wertanalyse ersetzt deshalb keine strategische Beschaffungsentscheidung. Sie hilft, die technische und funktionale Ausgangsbasis zu erweitern.
Neue Lösungsräume öffnen
Aus einer Funktionenanalyse können beispielsweise folgende Fragen entstehen:
- Kann eine Standardkomponente die Funktion übernehmen?
- kann der Lieferant mehrere Funktionen integrieren?
- muss die Funktion intern überhaupt erzeugt werden?
- kann sie in eine andere Baugruppe verlagert werden?
- gibt es ein alternatives Wirkprinzip?
- ist eine komplette Baugruppe statt einzelner Teile sinnvoll?
Damit kann Make-or-Buy zu einem Bestandteil der Lösungsentwicklung werden.
Einkauf früh einbinden
Damit solche Alternativen entstehen, sollte der Einkauf nicht erst nach Abschluss der Konstruktion eingebunden werden.
Einkauf und Lieferanten besitzen Informationen, die für frühe technische Entscheidungen wertvoll sein können.
Besonders bei Value Engineering in der Entwicklung kann diese Zusammenarbeit helfen, Kosten bereits vor der endgültigen Festlegung der Lösung zu beeinflussen.
