Material und Fertigung gehören bei technischen Produkten häufig zu den sichtbarsten Kostenblöcken.
Deshalb liegt es nahe, nach:
- günstigeren Werkstoffen,
- anderen Lieferanten,
- alternativen Fertigungsverfahren,
- reduzierten Bearbeitungsschritten
zu suchen.
Diese Ansätze können sinnvoll sein.
Wertanalyse erweitert die Frage jedoch:
Warum wird dieser Werkstoff oder dieses Verfahren überhaupt benötigt – welche Funktion und welche Anforderung stehen dahinter?
Material ist eine Lösung, keine Funktion
Ein bestimmter Werkstoff wird eingesetzt, weil er Eigenschaften bereitstellt.
Beispielsweise:
- Festigkeit,
- Steifigkeit,
- Korrosionsbeständigkeit,
- Wärmeleitung,
- elektrische Isolation,
- Optik,
- Gewicht.
Wenn diese Anforderungen klar sind, können alternative Werkstoffe oder andere technische Lösungen geprüft werden.
Fertigungsverfahren beeinflussen die Konstruktion
Konstruktion und Fertigung dürfen nicht getrennt voneinander optimiert werden.
Ein Bauteil kann für ein Verfahren aufwendig sein, für ein anderes jedoch gut geeignet.
Mögliche Suchrichtungen sind beispielsweise:
- Guss statt Zerspanung,
- Profil statt Einzelteil,
- Umformung statt Fügekonstruktion,
- Standardhalbzeug statt Sonderform,
- Kunststoff statt Metall – oder umgekehrt,
- additive Fertigung bei geeigneten Anwendungen,
- Baugruppenintegration.
Welche Alternative sinnvoll ist, hängt von Stückzahl, Geometrie, Anforderungen, Investitionen und weiteren Randbedingungen ab.
Gesamtwirtschaftlichkeit statt Stückpreis
Ein vermeintlich günstiger Werkstoff kann zusätzliche Kosten erzeugen.
Zu betrachten sind je nach Projekt:
- Materialpreis,
- Bearbeitbarkeit,
- Werkzeugkosten,
- Ausschuss,
- Zykluszeit,
- Montage,
- Oberfläche,
- Logistik,
- Qualität,
- Lebensdauer,
- Recycling oder Umweltwirkungen.
Deshalb sollte nicht nur ein Einzelpreis verglichen werden.
Funktionenanalyse öffnet Alternativen
Wenn die Aufgabe eines Bauteils funktional beschrieben ist, kann sich der Lösungsraum erweitern.
Beispielsweise kann statt der Frage:
„Welcher günstigere Werkstoff eignet sich für dieses Bauteil?“
die Frage gestellt werden:
„Wie können wir die Funktion mit geringerem Gesamtaufwand erfüllen?“
Dann können auch Geometrieänderung, Funktionsintegration, Standardteile oder ein anderes Wirkprinzip berücksichtigt werden.
Lieferantenwissen nutzen
Lieferanten kennen oft Fertigungstechnologien, die intern nicht vollständig transparent sind.
Gerade bei speziellen Verfahren kann eine frühe Lieferantenintegration helfen, konstruktive Randbedingungen besser an wirtschaftliche Herstellmöglichkeiten anzupassen.
Weiterführende Inhalte
- Produktkosten systematisch senken
- Lieferanten in Wertanalyseprojekte einbeziehen
- Funktionenanalyse: Aufgaben statt Bauteile betrachten
- Funktionenkostenanalyse: Kosten den Funktionen zuordnen
- Benchmarking in der Wertanalyse
- Toleranzen und Spezifikationen als Kostentreiber
- Nachhaltigkeit und Value Engineering
