Viele Kosten eines Produkts werden durch Entscheidungen beeinflusst, die bereits früh in der Entwicklung getroffen werden: Produktarchitektur, technische Prinzipien, Materialien, Toleranzen, Varianten, Fertigungsverfahren und Zukaufstrategien.
Wenn erst kurz vor Serienstart festgestellt wird, dass das Produkt zu teuer ist, sind viele dieser Entscheidungen nur noch mit hohem Aufwand veränderbar.
Target Costing und Design-to-Cost setzen deshalb früher an.
Was bedeutet Target Costing?
Target Costing richtet die Produktentwicklung an wirtschaftlich zulässigen Zielkosten aus.
Ausgehend von Markt, Kundenanforderungen, Preispositionierung und wirtschaftlichen Zielen wird ermittelt, welcher Kostenrahmen für ein Produkt beziehungsweise für Produktbereiche zur Verfügung steht.
Die zentrale Logik lautet nicht:
„Was kostet unsere entwickelte Lösung?“
sondern früher im Prozess:
„Welche Kosten darf die Lösung unter den gegebenen Markt- und Ergebnisbedingungen verursachen?“
Diese Zielkosten werden zum Entwicklungsparameter.
Was ist Design-to-Cost?
Design-to-Cost beschreibt die bewusste Entwicklung technischer Lösungen innerhalb definierter Kostenziele.
Kosten werden damit ähnlich wie Gewicht, Leistung, Bauraum, Qualität oder Lebensdauer zu einer Gestaltungsgröße.
Das bedeutet nicht, stets die billigste Lösung zu wählen. Eine technische Lösung muss weiterhin die erforderlichen Funktionen, Kundenanforderungen und Randbedingungen erfüllen.
Warum reicht ein Kostenziel allein nicht?
Ein Zielwert sagt noch nicht, wie er erreicht werden kann.
Genau hier entsteht die Verbindung zur Wertanalyse und zum Value Engineering.
Die Wertanalyse hilft zu untersuchen:
- welche Funktionen wirklich erforderlich sind,
- welche Funktionen besonders hohe Kosten verursachen,
- welche Kundenanforderungen Priorität besitzen,
- welche technischen Lösungen verändert werden können,
- wo alternative Wirkprinzipien oder Konzepte möglich sind.
Target Costing definiert damit den wirtschaftlichen Rahmen. Wertanalyse und Value Engineering unterstützen bei der methodischen Suche nach Lösungen innerhalb dieses Rahmens.
Zielkosten sinnvoll herunterbrechen
Gesamtzielkosten eines Produkts sind für einzelne Entwicklungsteams oft zu abstrakt.
Für die praktische Arbeit kann es sinnvoll sein, Zielkosten auf Baugruppen, Funktionen oder andere relevante Ebenen herunterzubrechen.
Eine funktionsorientierte Betrachtung bietet dabei einen besonderen Vorteil: Kosten werden nicht ausschließlich entlang der vorhandenen Bauteilstruktur verteilt, sondern können mit der Bedeutung der zu erfüllenden Funktionen verbunden werden.
Das schafft eine Brücke zwischen Kundenwert und Kostenbudget.
Typische Einsatzsituationen
Target Costing und Design-to-Cost sind besonders relevant, wenn:
- Neuprodukte mit klarer Preispositionierung entwickelt werden,
- Kostenziele bereits zu Projektbeginn feststehen,
- Produkte regelmäßig ihre Zielkosten überschreiten,
- technische Teams Kosten erst sehr spät berücksichtigen,
- neue Technologien wirtschaftlich konkurrenzfähig werden müssen,
- Varianten oder Leistungsumfänge wirtschaftlich priorisiert werden sollen.
Zusammenspiel mit Kundenanforderungen
Ein Kostenbudget kann nicht losgelöst vom Markt definiert werden.
Wenn nicht klar ist, was Kunden tatsächlich benötigen und honorieren, besteht die Gefahr, Zielkosten mechanisch auf Bauteile zu verteilen.
Deshalb sollten Markt- und Kundenperspektive mit technischen und wirtschaftlichen Zielen verbunden werden.
Methoden wie QFD, Wettbewerbsanalyse, Funktionenanalyse und Funktionenkostenanalyse ergänzen Target Costing an dieser Stelle.
Frühzeitige Kostenarbeit statt später Kostensenkungsaktion
Die größte strategische Wirkung entsteht, wenn Kosten nicht nur dann methodisch bearbeitet werden, wenn ein bestehendes Produkt zu teuer geworden ist.
Value Engineering in frühen Entwicklungsphasen ermöglicht es, Konzepte bereits vor ihrer Verfestigung auf Funktionen, Kosten und Kundennutzen zu prüfen.
Dadurch kann Kostenarbeit vom nachträglichen Reparaturprojekt zu einem Bestandteil der Produktentstehung werden.
Target Costing und Design-to-Cost mit Value Coaching
Value Coaching verbindet Kostenziele mit methodischen Elementen der Wertanalyse und des Value Engineering. Je nach Projekt können Kundenanforderungsanalyse, QFD, Funktionenanalyse, Funktionenkosten, Benchmarking, Kreativitätsmethoden und Bewertung eingesetzt werden.
Ziel ist, wirtschaftliche Anforderungen früh in technische Entscheidungen zu integrieren, ohne den notwendigen Kundennutzen aus dem Blick zu verlieren.
Weiterführende Inhalte
- Value Engineering in der Neuentwicklung
- Zielkosten auf Funktionen übertragen
- Produktkosten systematisch senken
- QFD: Kundenanforderungen systematisch gewichten
- Funktionenanalyse: Aufgaben statt Bauteile betrachten
- Funktionenkostenanalyse: Kosten den Funktionen zuordnen
- Was ist Wertanalyse (Value Engineering) und Value Management?
- Kostensenkungsprojekt und Kostensenkungsworkshop