Wertanalyse wird häufig mit Produktkostenprojekten verbunden.
Value Management geht darüber hinaus.
Der Grundgedanke lautet: Entscheidungen sollen nicht ausschließlich nach Kosten, technischer Leistung oder einzelnen Kennzahlen getroffen werden, sondern danach, welchen Wert eine Leistung für relevante Stakeholder erzeugt und welcher Aufwand dafür erforderlich ist.
Wertorientierte Unternehmensführung überträgt diese Perspektive auf Führungs- und Organisationsaufgaben.
Was bedeutet „Wert“ in diesem Zusammenhang?
Wert ist nicht identisch mit Preis und auch nicht mit möglichst niedrigen Kosten.
Eine Leistung besitzt Wert, wenn relevante Anforderungen und Funktionen in einem angemessenen Verhältnis zum notwendigen Aufwand erfüllt werden.
Auf Unternehmensebene können dabei unterschiedliche Stakeholder eine Rolle spielen:
- Kunden
- Eigentümer
- Mitarbeiter
- Lieferanten
- Gesellschaft
- weitere interne oder externe Anspruchsgruppen
Diese Interessen können sich widersprechen.
Wertorientierte Führung versucht, die relevanten Anforderungen transparent zu machen und Entscheidungen strukturiert daran auszurichten.
Von der Produktfunktion zur Führungsfunktion
Ein interessanter Gedanke besteht darin, auch Managementaufgaben funktional zu betrachten.
Statt nur bestehende Prozesse, Gremien oder Organisationsstrukturen als gegeben anzusehen, kann gefragt werden:
Welche Funktion muss diese Führungsaktivität eigentlich erfüllen?
Beispielsweise:
- Entscheidung vorbereiten
- Ressourcen priorisieren
- Zielkonflikt lösen
- Information bereitstellen
- Risiko begrenzen
- Umsetzung steuern
Dadurch können auch organisatorische Lösungen hinterfragt werden.
Verbindung zu Value Management
Value Management betrachtet Wert als zentrale Orientierungsgröße und verbindet methodische, organisatorische und menschliche Aspekte.
Wertorientierte Unternehmensführung kann als weiterführende Anwendung dieser Denkweise verstanden werden.
Die Wertinduzierung konkretisiert diese strategische Perspektive des Value Managements.
Der VDI behandelt das Thema in VDI 2804 Blatt 1 „Wertorientierte Unternehmensführung – Grundlagen“.
Unterschied zum Value Management Office
Ein Value Management Office ist eine mögliche organisatorische Struktur, um Methoden, Standards, Projektwahl und Kompetenzaufbau im Unternehmen zu verankern.
Wertorientierte Unternehmensführung ist breiter.
Sie beschreibt nicht nur eine organisatorische Einheit, sondern eine Denk- und Entscheidungslogik auf Führungsebene.
Beide Themen können miteinander verbunden werden, sind aber nicht identisch.
Wo kann die Perspektive hilfreich sein?
Beispielsweise bei:
- Priorisierung von Projekten,
- Portfoliobetrachtungen,
- Gestaltung von Entscheidungsprozessen,
- Auswahl strategischer Initiativen,
- bereichsübergreifenden Zielkonflikten,
- Gestaltung interner Leistungen und Prozesse,
- Verankerung von Value Management im Unternehmen.
Kompetenzbezug Value Coaching
Dr.-Ing. Jörg Marchthaler hat Wertanalyse, Value Management und wertorientierte Unternehmensführung in seiner wissenschaftlichen Arbeit integriert betrachtet und das Thema auch in Fachpublikationen behandelt.
Weiterführende Inhalte
- Wertanalyse und Value Management: Unterschiede und Zusammenhang
- Value Management Office
- Projekt-Potenzialanalyse: die richtigen Projekte auswählen
- Der Wertanalyse-Arbeitsplan in 10 Arbeitsschritten
- Veröffentlichungen von Dr.-Ing. Jörg Marchthaler
- Wertanalyse-Beratung im Überblick
- VDI 2804 Blatt 1 – Wertorientierte Unternehmensführung, Grundlagen (VDI)
- Fachbeitrag „Value Management auf Führungsebene“ (Marchthaler/Monitor, Wertanalyse Praxis 2009, PDF)
