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Wertanalyse und Value Management
Methoden für mehr Transparenz
bei Funktionen, Kosten und
Kundennutzen
Die Methodenseite bündelt die wichtigsten Grundlagen, Analyseansätze
und Werkzeuge für strukturierte Wertanalyse- und Value-Management-Projekte.

Wertinduzierung: Value Management auf strategischer Ebene

Fachlich verantwortet von Dr.-Ing. Jörg Marchthaler, Value Coaching Marchthaler

Unternehmen treffen täglich Entscheidungen über Strategien, Geschäftsmodelle, Produktportfolios, Prozesse und Organisationen. Dabei stellt sich eine grundlegende Frage:

Woran erkennen wir, ob eine Entscheidung tatsächlich mehr Wert für Kunden, Unternehmen und weitere Stakeholder schafft?

Genau an dieser Stelle setzt die Wertinduzierung an. Sie überträgt die Grundgedanken des Value Managements auf strategische Fragestellungen und verbindet die Definition von Wert mit Zielen, Funktionen, Wertetreibern und konkreten Maßnahmen.

Was ist Wertinduzierung?

Wertinduzierung bezeichnet ein Denkmodell und eine Vorgehensweise, mit der wertorientierte Entscheidungen auf der strategischen Ebene eines Unternehmens oder einer Organisation vorbereitet und getroffen werden.

Ausgangspunkt ist die Frage, was „Wert“ für die jeweilige Organisation konkret bedeutet. Darauf aufbauend werden die Prinzipien, Wertetreiber und Methoden des Value Managements genutzt, um strategische Ziele und deren Auswirkungen systematisch zu betrachten.

Wertinduzierung ist damit die strategische Ergänzung zur Wertanalyse. Während Wertanalyse überwiegend in operativen Projekten eingesetzt wird, richtet sich Wertinduzierung vor allem auf Strategie, Unternehmensziele, Geschäftsmodelle, Prozesse und Organisation.

Wichtig für die fachliche Einordnung: Der Begriff Wertinduzierung dient der Differenzierung innerhalb des Value Managements. Die EN 12973:2020 selbst verwendet den Begriff Wertinduzierung nicht.

Wertinduzierung und Wertanalyse – wo liegt der Unterschied?

WertinduzierungWertanalyse / Value Engineering
Schwerpunktüberwiegend strategische Ebeneüberwiegend operative Projekte
BetrachtungUnternehmen, Strategie, Geschäftsmodelle, Programme, OrganisationProdukte, Prozesse und Dienstleistungen
AusgangspunktWertdefinition, strategische Ziele und Wertetreiberkonkretes Untersuchungsobjekt und Projektziel
Vorgehensweisesituationsabhängig, kein fest definierter Arbeitsplanstrukturierter Wertanalyse-Arbeitsplan
Verbindunggibt Orientierung für die operative Umsetzungsetzt Wertziele in konkreten Projekten um

Wertinduzierung folgt – anders als die Wertanalyse – keinem fest definierten Arbeitsplan. Je nach strategischer Fragestellung kommen unterschiedliche Ansätze, Methoden und Arbeitstechniken zum Einsatz.

Damit ergänzen sich beide Ansätze: Wertinduzierung hilft zu bestimmen, welchen Wert ein Unternehmen schaffen will und welche Hebel dafür relevant sind. Wertanalyse unterstützt anschließend dabei, Wert in konkreten Produkten, Prozessen oder Dienstleistungen zu gestalten und zu verbessern.

Wie wird Wertinduzierung angewendet?

In der praktischen Anwendung folgt die Wertinduzierung typischerweise dieser Logik:

  1. Wert definieren. Zunächst wird geklärt, was Wert für die Organisation, ihre Kunden und weitere relevante Stakeholder bedeutet.
  2. Ziele als Wirkungen beschreiben. Strategische Fragestellungen werden nicht sofort über bestehende Lösungen betrachtet. Stattdessen wird gefragt, welche Wirkung tatsächlich erreicht werden soll.
  3. Mit „Wozu?“ und „Wie?“ hinterfragen. Die Wozu-Frage erweitert den Blick auf den eigentlichen Zweck; die Wie-Frage konkretisiert mögliche Wege zur Umsetzung. Beide Fragen sind für die Wertinduzierung grundlegend.
  4. Wertetreiber bestimmen. Es wird untersucht, welche Faktoren den angestrebten Wert besonders beeinflussen – beispielsweise Kundennutzen, Markt- und Kundenzugang, Kosten, Prozessleistung, Kompetenzen, Nachhaltigkeit oder andere unternehmensspezifische Faktoren.
  5. Strategie und operative Umsetzung verbinden. Die relevanten Wertetreiber werden auf Prozesse, Organisation, Programme und Projekte übertragen. Wertinduzierung bildet damit eine Brücke zwischen strategischer Ausrichtung und operativer Wertschöpfung.
  6. Maßnahmen und Kennzahlen ableiten. Verantwortlichkeiten, Maßnahmen und geeignete Messgrößen ermöglichen es, die Umsetzung zu verfolgen und Wertziele regelmäßig zu überprüfen.

Wo kann Wertinduzierung eingesetzt werden?

Der Ansatz ist insbesondere dort interessant, wo Entscheidungen über ein einzelnes Produkt oder ein einzelnes Wertanalyseprojekt hinausgehen.

  • Geschäftsmodelle und Produktportfolios
  • Programmgestaltung
  • Innovation
  • Komplexität und Unsicherheit

Typische Anwendungen sind die Entwicklung und Bewertung von Geschäftsmodellen und Produktportfolios. Dabei werden die für den Erfolg relevanten Wertetreiber identifiziert und ihre Auswirkungen auf den Wert betrachtet.

Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Programmgestaltung. Projekte und Programme können an übergeordneten Zielen und Wertkriterien ausgerichtet und ihre Beiträge zur Unternehmensstrategie transparenter gemacht werden.

Auch für Innovation kann Wertinduzierung als Orientierung dienen: Ziele werden in Wertbegriffen formuliert, angestrebte Wirkungen über Funktionen beschrieben und Zusammenarbeit mit Kunden, Lieferanten und Partnern an gemeinsamen Wertvorstellungen ausgerichtet.

Hinzu kommen strategische Fragestellungen zu Komplexität und Unsicherheit. Funktionen, Wertetreiber und Szenarien können helfen, Auswirkungen möglicher Entscheidungen zu strukturieren und unterschiedliche Handlungsoptionen nachvollziehbarer zu beurteilen.

Von der Wertinduzierung zur operativen Wertverbesserung

Wertinduzierung endet nicht mit einer strategischen Diskussion.

Entscheidend ist, die strategisch bestimmten Wertziele auf Prozesse, Organisation und konkrete Projekte zu übertragen. Genau hier entsteht die Verbindung zur Wertanalyse und zum Value Engineering.

Beispielsweise kann aus einem strategischen Ziel zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ein konkretes Wertanalyseprojekt entstehen. In diesem werden Kundenanforderungen, Funktionen, Kosten und Lösungsalternativen systematisch untersucht.

So entsteht eine durchgängige Verbindung:

  1. Wertdefinition
  2. strategische Ziele
  3. Wertetreiber
  4. Programme und Projekte
  5. Wertanalyse
  6. konkrete Umsetzung

Wertinduzierung im Value Management

Wertinduzierung macht deutlich, dass Value Management nicht auf einzelne Kostensenkungs- oder Produktoptimierungsprojekte beschränkt ist.

Der Wertgedanke kann bereits bei der Strategie, bei Geschäftsmodellen und Portfolios sowie bei organisatorischen Entscheidungen beginnen und anschließend bis in konkrete Projekte weitergeführt werden.

Damit ergänzt die Wertinduzierung die operative Wertanalyse um eine strategische Perspektive.

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Quellen

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