Bei Zukaufteilen kennt ein Unternehmen häufig den angebotenen Preis.
Weniger transparent ist, welche technischen und wirtschaftlichen Faktoren diesen Preis bestimmen.
Should Costing versucht deshalb, auf Basis einer technisch nachvollziehbaren Modellierung abzuschätzen:
Welche Kosten wären unter definierten Annahmen plausibel?
Wie funktioniert ein Should-Cost-Modell grundsätzlich?
Ein Modell kann beispielsweise berücksichtigen:
- Werkstoff und Materialmenge
- Materialpreis
- Fertigungsverfahren
- Maschinenzeit
- Zykluszeit
- Personalaufwand
- Ausschuss
- Werkzeuge
- Oberflächen oder Nachbearbeitung
- Montage
- angenommene Zuschläge
Die genaue Kalkulationslogik hängt vom Bauteil und vom verwendeten Cost-Engineering-Ansatz ab.
Should Cost ist nicht automatisch „der richtige Preis“
Ein Should-Cost-Ergebnis ist ein Modell.
Es basiert auf:
- technischen Daten
- Marktinformationen
- Prozessannahmen
- Kostensätzen
- Auslastungsannahmen
- Kalkulationslogik
Wenn diese Annahmen falsch oder unvollständig sind, verändert sich auch das Ergebnis.
Should Costing sollte deshalb nicht als Beweis dafür verstanden werden, dass ein Lieferantenpreis „falsch“ ist.
Es schafft eine technisch fundierte Diskussionsgrundlage.
Mehr als Verhandlungsvorbereitung
Should Costing kann nicht nur im Einkauf eingesetzt werden.
Ein Modell kann auch zeigen, welche technischen Merkmale Kosten erzeugen.
Beispiele:
- Materialmenge
- Bearbeitungszeit
- spezielle Toleranzen
- Oberflächen
- zusätzliche Prozessschritte
- komplexe Montage
Damit entstehen Ansatzpunkte für Entwicklung und Value Engineering.
Verbindung zur Wertanalyse
Should Costing betrachtet eine konkrete technische Lösung.
Wertanalyse geht einen Schritt weiter und fragt:
Muss die Funktion überhaupt mit dieser Lösung erfüllt werden?
Damit ergänzen sich beide Ansätze:
- Should Costing hilft, die Kosten einer Lösung besser zu verstehen.
- Funktionenanalyse und Value Engineering öffnen alternative Lösungsprinzipien.
Wann ist Should Costing besonders hilfreich?
Beispielsweise wenn:
- Zukaufteile hohe Kostenanteile besitzen
- Preisunterschiede schwer erklärbar sind
- technische Alternativen verglichen werden sollen
- Lieferantenangebote plausibilisiert werden müssen
- frühe Produktkonzepte wirtschaftlich bewertet werden sollen
Grenzen
Should Costing wird schwieriger, wenn:
- technische Daten fehlen
- proprietäre Prozesse verwendet werden
- Stückzahlen oder Auslastung unklar sind
- komplexe Entwicklungsleistungen im Preis enthalten sind
- Marktpreise stark schwanken
- Lieferantenrisiken und strategische Faktoren dominieren
Deshalb sollte das Modell immer mit seinem Annahmenrahmen dokumentiert werden.
