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Wertanalyse und Value Management
Methoden für mehr Transparenz
bei Funktionen, Kosten und
Kundennutzen
Die Methodenseite bündelt die wichtigsten Grundlagen, Analyseansätze
und Werkzeuge für strukturierte Wertanalyse- und Value-Management-Projekte.

Bauteilkosten sind bekannt – aber welche Funktion verursacht den Aufwand?

Fachlich verantwortet von Dr.-Ing. Jörg Marchthaler, Value Coaching Marchthaler

Klassische Produktkostenrechnungen zeigen häufig sehr genau, welche Kosten auf:

  • Bauteile
  • Baugruppen
  • Fertigungsschritte
  • Materialien

entfallen.

Für die Wertanalyse reicht diese Sicht allein jedoch nicht aus.

Die zentrale Frage lautet:

Welche Kosten entstehen für die Erfüllung der jeweiligen Funktionen?

Genau diese Verbindung stellt die Funktionenkostenanalyse her.

Voraussetzung: belastbare Funktionen

Bevor Kosten Funktionen zugeordnet werden können, müssen die Funktionen ausreichend klar beschrieben sein.

Zu grobe Funktionen führen zu wenig aussagekräftigen Kostenblöcken.

Zu detaillierte Funktionen erhöhen den Aufwand erheblich.

VDI 2803 Blatt 2 weist ausdrücklich darauf hin, dass die Wahl des geeigneten Detaillierungsgrads eine wichtige Herausforderung darstellt.

Bauteile und Funktionen verknüpfen

Ein Bauteil kann mehrere Funktionen erfüllen.

Deshalb kann sein Kostenanteil nicht immer vollständig einer einzelnen Funktion zugerechnet werden.

Die Funktionenkostenanalyse verknüpft deshalb Bauteile beziehungsweise Ressourcen anteilig mit den Funktionen.

Vereinfacht bedeutet das:

  1. relevante Bauteil- oder Ressourcen­kosten bestimmen
  2. Funktionen des Untersuchungsobjekts festlegen
  3. Beziehungen zwischen Bauteilen und Funktionen herstellen
  4. Kostenanteile den Funktionen zuordnen
  5. Funktionenkosten aggregieren
  6. auffällige Funktionen analysieren

Die konkrete Zuordnung verlangt fachliche Einschätzung.

Warum Prozentzuordnungen notwendig sein können

Ein Gehäuse kann beispielsweise gleichzeitig:

  • Komponenten aufnehmen
  • schützen
  • Kräfte übertragen
  • Wärme ableiten

Seine Kosten lassen sich dann nicht sinnvoll ausschließlich einer Funktion zuordnen.

Das Projektteam muss deshalb nachvollziehbar bestimmen, wie sich der Aufwand auf mehrere Funktionen verteilt.

Diese Zuordnung ist keine exakte Naturkonstante.

Sie ist ein Analysemodell, das Transparenz schaffen soll.

Was macht eine Funktion „auffällig“?

Hohe Funktionenkosten allein sind noch kein Beweis für ein Problem.

Eine Funktion kann teuer sein, weil sie für den Kunden besonders wichtig oder technisch anspruchsvoll ist.

Interessant wird die Analyse deshalb in Verbindung mit:

  • Kundenrelevanz
  • Wettbewerb
  • technischem Potenzial
  • Leistungsumfang
  • alternativen Lösungsprinzipien

Erst daraus entstehen konkrete Suchfelder.

Funktionen mit Potenzial identifizieren

VDI 2803 Blatt 2 beschreibt, dass durch die Zuordnung von Kosten zu Funktionen kostentreibende und potenzialbehaftete Funktionen identifiziert werden können.

Damit wird die klassische bauteilbezogene Kostenanalyse um die Sicht des Kundennutzens und der Funktionen ergänzt.

Typische Fehler in der Praxis

Zu detailliert beginnen

Wenn hunderte Funktionen angelegt werden, wird die Zuordnung sehr aufwendig.

Kosten nur „gefühlt“ verteilen

Schätzungen können notwendig sein, sollten aber transparent und gemeinsam nachvollzogen werden.

Kundenrelevanz nicht berücksichtigen

Eine teure Funktion ist nicht automatisch zu teuer.

Funktionenkosten als exakte Wahrheit interpretieren

Die Analyse ist ein Entscheidungs- und Suchinstrument.

Sie ersetzt keine Kostenrechnung.

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