Klassische Produktkostenrechnungen zeigen häufig sehr genau, welche Kosten auf:
- Bauteile
- Baugruppen
- Fertigungsschritte
- Materialien
entfallen.
Für die Wertanalyse reicht diese Sicht allein jedoch nicht aus.
Die zentrale Frage lautet:
Welche Kosten entstehen für die Erfüllung der jeweiligen Funktionen?
Genau diese Verbindung stellt die Funktionenkostenanalyse her.
Voraussetzung: belastbare Funktionen
Bevor Kosten Funktionen zugeordnet werden können, müssen die Funktionen ausreichend klar beschrieben sein.
Zu grobe Funktionen führen zu wenig aussagekräftigen Kostenblöcken.
Zu detaillierte Funktionen erhöhen den Aufwand erheblich.
VDI 2803 Blatt 2 weist ausdrücklich darauf hin, dass die Wahl des geeigneten Detaillierungsgrads eine wichtige Herausforderung darstellt.
Bauteile und Funktionen verknüpfen
Ein Bauteil kann mehrere Funktionen erfüllen.
Deshalb kann sein Kostenanteil nicht immer vollständig einer einzelnen Funktion zugerechnet werden.
Die Funktionenkostenanalyse verknüpft deshalb Bauteile beziehungsweise Ressourcen anteilig mit den Funktionen.
Vereinfacht bedeutet das:
- relevante Bauteil- oder Ressourcenkosten bestimmen
- Funktionen des Untersuchungsobjekts festlegen
- Beziehungen zwischen Bauteilen und Funktionen herstellen
- Kostenanteile den Funktionen zuordnen
- Funktionenkosten aggregieren
- auffällige Funktionen analysieren
Die konkrete Zuordnung verlangt fachliche Einschätzung.
Warum Prozentzuordnungen notwendig sein können
Ein Gehäuse kann beispielsweise gleichzeitig:
- Komponenten aufnehmen
- schützen
- Kräfte übertragen
- Wärme ableiten
Seine Kosten lassen sich dann nicht sinnvoll ausschließlich einer Funktion zuordnen.
Das Projektteam muss deshalb nachvollziehbar bestimmen, wie sich der Aufwand auf mehrere Funktionen verteilt.
Diese Zuordnung ist keine exakte Naturkonstante.
Sie ist ein Analysemodell, das Transparenz schaffen soll.
Was macht eine Funktion „auffällig“?
Hohe Funktionenkosten allein sind noch kein Beweis für ein Problem.
Eine Funktion kann teuer sein, weil sie für den Kunden besonders wichtig oder technisch anspruchsvoll ist.
Interessant wird die Analyse deshalb in Verbindung mit:
- Kundenrelevanz
- Wettbewerb
- technischem Potenzial
- Leistungsumfang
- alternativen Lösungsprinzipien
Erst daraus entstehen konkrete Suchfelder.
Funktionen mit Potenzial identifizieren
VDI 2803 Blatt 2 beschreibt, dass durch die Zuordnung von Kosten zu Funktionen kostentreibende und potenzialbehaftete Funktionen identifiziert werden können.
Damit wird die klassische bauteilbezogene Kostenanalyse um die Sicht des Kundennutzens und der Funktionen ergänzt.
Typische Fehler in der Praxis
Zu detailliert beginnen
Wenn hunderte Funktionen angelegt werden, wird die Zuordnung sehr aufwendig.
Kosten nur „gefühlt“ verteilen
Schätzungen können notwendig sein, sollten aber transparent und gemeinsam nachvollzogen werden.
Kundenrelevanz nicht berücksichtigen
Eine teure Funktion ist nicht automatisch zu teuer.
Funktionenkosten als exakte Wahrheit interpretieren
Die Analyse ist ein Entscheidungs- und Suchinstrument.
Sie ersetzt keine Kostenrechnung.
Weiterführende Inhalte
- Funktionenkostenanalyse: Kosten den Funktionen zuordnen
- Funktionenanalyse: Aufgaben statt Bauteile betrachten
- Funktionen richtig formulieren
- Funktionen-Potenzial-Analyse: Suchfelder priorisieren
- Kosten-Nutzen-Betrachtung und Wertindex
- Produktkosten systematisch senken
- VDI 2803 Blatt 2 – Funktionenkostenanalyse (VDI)
