Nach einer Funktionenanalyse kann ein Team eine große Zahl einzelner Funktionen identifiziert haben.
Damit ist jedoch noch nicht automatisch klar:
- welche Funktionen voneinander abhängen
- welche Funktion welchem Zweck dient
- welche Funktionen gemeinsam eine übergeordnete Aufgabe erfüllen
- wo sich technische Lösungsräume überschneiden
Deshalb ist es sinnvoll, Funktionen nicht nur zu sammeln, sondern zu strukturieren.
Was ist eine Funktionenstruktur?
Eine Funktionenstruktur stellt Beziehungen zwischen Funktionen eines Wertanalyseobjekts dar.
Dabei geht es nicht um eine Stückliste und auch nicht um die geometrische Anordnung von Bauteilen.
Die Struktur zeigt vielmehr die logischen oder wirkungsbezogenen Zusammenhänge der Aufgaben.
Dadurch kann das Team besser verstehen:
Warum existiert eine Funktion – und welche anderen Funktionen hängen mit ihr zusammen?
Von der Bauteilstruktur zur Aufgabenstruktur
Eine Stückliste beantwortet beispielsweise:
Welche Komponenten besitzt das Produkt?
Eine Funktionenstruktur beantwortet dagegen:
Welche Aufgaben müssen erfüllt werden und wie hängen diese Aufgaben zusammen?
Das kann zu einer völlig anderen Sicht auf das Produkt führen.
Gerade bei komplexen Baugruppen wird sichtbar, dass verschiedene Komponenten gemeinsam dieselbe übergeordnete Funktion unterstützen.
Wozu dient die Strukturierung?
Eine Funktionenstruktur kann helfen:
- das Systemverständnis im Team zu verbessern
- Hauptzusammenhänge sichtbar zu machen
- fehlende oder doppelte Funktionen zu erkennen
- Funktionen sinnvoll zu gruppieren
- Kostenzuordnungen vorzubereiten
- Suchfelder für die Ideenentwicklung abzuleiten
- alternative Systemarchitekturen zu diskutieren
Sie ist damit kein Selbstzweck, sondern eine Arbeitsgrundlage für weitere Schritte.
FAST als mögliche Darstellungsform
Im Umfeld der Wertanalyse werden Funktionenstrukturen unter anderem mit FAST-Darstellungen verbunden.
FAST steht für Function Analysis System Technique.
Die Grundidee besteht darin, Funktionen anhand ihrer logischen Beziehungen zu ordnen und damit ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wie und warum Funktionen zusammenwirken.
Welche Darstellungsform im konkreten Projekt sinnvoll ist, hängt von Objekt, Team und Untersuchungsziel ab.
Nicht jede Struktur muss maximal detailliert sein
Ein häufiger Fehler bei methodischen Darstellungen besteht darin, das Modell immer weiter zu verfeinern.
Mehr Detail bedeutet jedoch nicht automatisch mehr Erkenntnis.
Die Struktur sollte so weit entwickelt werden, dass sie:
- das gemeinsame Verständnis verbessert
- relevante Kostenzusammenhänge unterstützt
- konkrete Suchfelder erzeugt
- die weitere Projektarbeit erleichtert
Wenn diese Ziele erreicht sind, kann zusätzliche Detaillierung unnötigen Aufwand erzeugen.
Funktionenstrukturen bei Prozessen und Dienstleistungen
Die Methode ist nicht auf technische Produkte beschränkt.
Auch ein Prozess kann Funktionen besitzen wie:
- Information prüfen
- Entscheidung vorbereiten
- Risiko begrenzen
- Freigabe erteilen
- Ergebnis dokumentieren
Eine Funktionenstruktur kann dann helfen, den Prozess von seiner heutigen Tätigkeitsfolge zu lösen.
Verbindung zu Funktionenkosten
Eine saubere Funktionenstruktur verbessert die Grundlage für die Funktionenkostenanalyse.
Wenn Funktionen sinnvoll abgegrenzt und strukturiert sind, kann später nachvollziehbarer untersucht werden, welche Ressourcen oder Bauteilkosten mit welcher Funktion verbunden sind.
Damit führt die Strukturierung von der technischen Abstraktion zur wirtschaftlichen Analyse.
Weiterführende Inhalte
- Funktionenanalyse: Aufgaben statt Bauteile betrachten
- Funktionen richtig formulieren
- Funktionenkostenanalyse: Kosten den Funktionen zuordnen
- Funktionen-Potenzial-Analyse: Suchfelder priorisieren
- Wertanalyse für Prozesse und Dienstleistungen
- Der Wertanalyse-Arbeitsplan in 10 Arbeitsschritten
- VDI 2803 Blatt 1 – Funktionenanalyse (VDI)
